3. Ich denke, also bin ich

Haben Sie Ihre Hausaufgaben gemacht? – Haben Sie gezweifelt? – Haben Sie sich einmal vorgestellt, das ganze Leben sei nur ein Traum? – Ein Traum, hinter dem eine wahrhaftigere Wirklichkeit steckt? – Aber Halt! Dieser – an sich schöne – Gedanke ist hier nicht erlaubt. Wir wollen nicht spekulieren, sondern uns zurück nehmen. Wir wollen gedanklichen Ballast abwerfen…

Alles ist anzweifelbar. Was bleibt, wenn all unsere Gedanken falsch sind? Was bleibt, wenn ich immer wieder an der Nase herum geführt werde, sobald ich glaube, dass 2 + 3 = 5 sei?

Was bleibt, wenn ein großer und allmächtiger Betrüger mich jedes Mal täuscht, wenn ich diesen Gedanken erwäge? – Gibt es etwas Unanzweifelbares?

Aber ja! Auch wenn mich ein allmächtiger Betrüger ständig täuscht, auch wenn ich mich ständig irre: So bleibe ich es doch, der getäuscht wird, der irrt! Descartes in der Original-Übersetzung: „Er täusche mich, soviel er kann, niemals wird er doch fertigbringen, dass ich nichts bin, solange ich denke, dass ich etwas sei. Und so komme ich … schließlich zu der Feststellung, dass dieser Satz: ‚Ich bin, ich existiere‘, sooft ich ihn ausspreche oder in Gedanken fasse, notwendig wahr ist.“

Was für ein ‚Ich‘ ist es, das Descartes hier meint?

Ganz sicher ist es nicht ein Ich, das aus einem Körper und einer Seele besteht; einer Seele, die eine eigene Kindheit, eine eigene Geschichte, Erinnerungen usw. hat – etwa so wie Sigmund Freud es uns gelehrt hat.

Nein, Descartes reduziert dieses ‚Ich‘ auf einen einzigen Gedanken: „Cogito“; oder: ‚Ich denke‘, oder besser noch: „Ich bin denkend“, „Ich bin mir (im Denken) meiner selbst bewusst.“

Der berühmte Satz: „Ich denke, also bin ich.“ ist also nicht logisch zu verstehen und das „Ich denke…“ kann nicht beliebig durch andere Verben ersetzt werden wie z.B. in dem Satz „Ich schlafe, also bin ich.“ – „Ich denke, also bin ich.“ ist zu verstehen als sich selbst bewusster Vollzug eines bestimmten Gedanken, nämlich dass ich denkend bin.

Wir können es auch anders ausdrücken: Descartes hat in den Meditationen das Subjekt zum Ausgangspunkt seines Denkens gemacht.

Wissen Sie genau was ein Subjekt ist? – Schauen Sie einmal im Duden-Fremdwörterbuch oder im Internet nach, dann sind Sie für die nächste Folge bestens vorbereitet. Diese wird am Karfreitag, dem 2.4.2021, wieder ab 15 Uhr, erscheinen.

 

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Überblick über alle 10 Folgen:

  1. Was kann ich wissen?
  2. Woran man zweifeln kann
  3. Ich denke also bin ich
  4. Das Subjekt ist sich seiner selbst bewusst, das Objekt ist ungewiss
  5. Können wir das Denken erklären? – Ein kurzer Blick auf Leibniz, ein Ausblick auf Kant
  6. Wo ist Zeit? – Was ist Zeit? – Grundgedanken aus Einsteins Relativitätstheorie
  7. Kant: Raum und Zeit als ‚Formen der Anschauung‘
  8. „Das Ding an sich ist nicht erkennbar.“
  9. Kausalität – und: Randbemerkung für Interessierte (zu den Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft)
  10. Von der ursprünglich-synthetische Einheit der Apperzeption. – Und Schluss.