Nirgendwo in Deutschland kommt so viel Strom aus Wind wie in Niedersachsen – trotzdem spricht sich Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) im NDR Sommerinterview mit Landespolitik-Chefin Hilke Janssen gegen einen günstigeren Strompreis im Norden aus.
Natürlich könne man in Norddeutschland einen günstigeren Preis fordern, so Lies. Dann könne er aber auch im Süden günstiger sein, wo Strom etwa durch Photovoltaikanlagen erzeugt wird: „Das könnte ein Weg sein. Davon würden alle profitieren, die den Ausbau der erneuerbaren Energien voranbringen.“ Der Ministerpräsident rief dazu auf, Lösungen zu suchen, „die nicht den großen Konflikt aufmachen.“ Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Brandenburg hatten vor Kurzem den Vorschlag bekräftigt, Deutschland in verschiedene Strompreiszonen aufzuteilen – damit der Norden als stärkerer Windstromproduzent von günstigeren Preisen profitieren würde. Dies stieß auf Widerstand aus Bayern und Baden-Württemberg.
Strompreise in Nord und Süd: Lösungen finden statt streiten
Vor zwei Jahren, als Wirtschaftsminister, hatte Lies die norddeutsche Forderung nach einer eigenen Strompreiszone noch mitgetragen. Nun sagte er im NDR Sommerinterview: „Wir wollen nicht streiten, sondern lösen“. Bei dem Thema zeigt sich Lies selbstbewusst: „Wenn wir nicht die Verantwortung übernehmen würden, würden wir keine Klimaziele erreichen und keine Energiewende.“
Rüstungsindustrie bietet starkes Standbein für Niedersachsen
Die Rüstungsindustrie in Niedersachsen erlebt derzeit einen Aufschwung – Lies sieht darin eine Zukunftsperspektive für die Industrie. „Vor zwei Jahren gab es schon noch ein Stück Zurückhaltung. Das hat sich gesellschaftlich geändert, weil alle wissen, wie wichtig Verteidigungsfähigkeit ist.“ Lies nimmt wahr, dass die Unternehmen nun Teil dieser Wertschöpfungskette sein wollen. Die Produktion von Komponenten für die Verteidigungsindustrie könnte für sie zum zusätzlichen Standbein werden. Die Rüstungsindustrie könne die Autoindustrie in Niedersachsen jedoch nicht ersetzen, wie Lies betont: „Wir brauchen beides“. Ein Zukunftsmarkt der Mobilität sei etwa das autonome Fahren.
Respekt früher in der Schule vermitteln
Auch das allgemeine Sicherheitsgefühl war ein Thema im NDR Sommerinterview. Lies sagte, dass ihn die zunehmende Zahl von Angriffen auf Rettungskräfte schockiere. „Es ist völlig inakzeptabel, was da gerade denen widerfährt, die dort für uns alle ihren Dienst leisten.“ Dort, wo Täter ermittelt werden können, müsse hart durchgegriffen werden. Grundsätzlich sei das aber eine Frage des Respekts. Er regte an, den Respekt für gesellschaftliche Aufgaben früher zu vermitteln. „Vielleicht wird das so als selbstverständlich wahrgenommen, aber es ist nicht selbstverständlich.“ Um das Sicherheitsgefühl der Menschen im öffentlichen Raum zu erhöhen, sei Kameraüberwachung an bestimmten Orten wie Bahnhören ein mögliches Instrument – aber auch etwa bessere Beleuchtung könne helfen.
Der NDR sendet das Sommerinterview mit Olaf Lies am 21.08.2025 im Fernsehen im Regionalmagazin „Hallo Niedersachsen“, in NDR 1 Niedersachsen in der Sendung „Funkbilder – Der Tag“ und Online auf NDR.de/Niedersachsen.