Hilfe für kranke Wohnungslose erweitert

Niedersachsens Sozialministerin eröffnet zweite Krankenwohnung in Hannover

Dr. Carola Reimann (v.r.), Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit & Gleichstellung, Dr. Andrea Hanke, Dezernentin für Soziale Infrastruktur der Region Hannover und Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes in einem der Zimmer der neuen Krankenwoh

Hannover, 17.08.2018 - Medizinische Versorgung und soziale Beratung im geschützten Rahmen: Vor 20 Jahren öffnete Niedersachsens erste Krankenwohnung „Die KuRVe“ in Hannover. Seitdem bietet die Einrichtung sechs Plätze zur Genesung von kranken Menschen ohne eigene Wohnung. Neben der medizinischen Betreuung erhalten die Patientinnen und Patienten Unterstützung dabei, nach ihrem Aufenthalt in der Krankenwohnung eine Perspektive zu finden. Von der Region Hannover finanziert setzt die Zentrale Beratungsstelle des Diakonischen Werks Hannover das Angebot um, das jetzt mit einer zweiten Krankenwohnung in Hannover erweitert wird.

„Für Frauen und Männer ohne feste Bleibe ist die Zeit nach einem Aufenthalt im Krankenhaus oder bei Krankheit sehr schwierig. Deshalb sind Krankenwohnungen wie ‚Die KuRVe‘ so wichtig: Sie bieten Wohnungslosen die Möglichkeit, medizinisch betreut in Ruhe zu genesen“, sagte Dr. Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, bei der offiziellen Eröffnung der zweiten Krankenwohnung. „Die Krankenwohnung bietet einen sicheren Raum und hilft nicht nur kurzfristig, sondern ist ebenso eine Hilfe-zur-Selbsthilfe-Einrichtung – gerade für Menschen in prekären Lebenssituationen ist es so wichtig, eine Anlaufstelle wie diese zu haben“, so Dr. Andrea Hanke, Dezernentin für Soziale Infrastruktur der Region Hannover. „Die Auslastung des Angebots und die starke Nachfrage nach Plätzen zeigen deutlich, dass der Bedarf groß ist.“

„Als die erste Krankenwohnung vor 20 Jahren hier in Hannover eröffnet wurde, war das ziemlich einmalig. Dieses Angebot gab es bundesweit sonst nur noch in Köln“, erklärte Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. „Dass wir nun – auch dank des großen Engagements aller Beteiligten – mit einem zweiten Standort in Hannover starten, trägt weiter maßgeblich dazu bei, eine Versorgungslücke zu schließen. Wenn ich krank bin, lege ich mich in mein Bett – wo kann sich ein Obdachloser hinlegen?“

Die zweite Krankenwohnung „Die KuRVe2“ (Dienstleitung bei Krankheit und Regeneration und medizinische Versorgung Wohnungsloser) hat am neuen Standort in Misburg ebenfalls sechs Plätze auf rund 200 Quadratmetern zur Versorgung bettlägeriger kranker Frauen und Männer. Viele von ihnen leben etwa in Obdachlosenunterkünften oder vergleichbaren Wohnverhältnissen, dort wo eine häusliche Krankenpflege nicht sichergestellt werden kann. „Unsere Kunden haben keinen anderen Ort, an dem sie ihre Krankheit richtig auskurieren können“, weiß Norbert Herschel, Leiter der Zentralen Beratungsstelle für Personen in besonderen Schwierigkeiten. „Die Krankenwohnung gibt ihnen die Möglichkeit, in Ruhe wieder auf die Beine zu kommen.“ Dabei hilft eine Pflegekraft vor Ort, außerdem werden die Bewohnerinnen und Bewohner sozialarbeiterisch beraten und begleitet – mit Blick auf die jeweilige Lebenssituation und Perspektive nach dem Aufenthalt: Wie geht es weiter? Sind andere Wohnformen möglich? Welche weiterführenden Hilfen kommen in Frage?

War die Krankenwohnung zunächst als Einrichtung für kurzfristige Erkrankungen konzipiert, hat sich in den vergangenen 20 Jahren gezeigt, dass auch der Bedarf chronisch kranker Wohnungsloser groß ist: So wohnten zunehmend mehr Patientinnen und Patienten über einen längeren Zeitraum in der Krankenwohnung, die aus dem Krankenhaus sonst in die Wohnungslosigkeit entlassen worden wären. Rund 300 Menschen wurden seit Start in der Krankenwohnung versorgt.