Rundbrief von OFARIN:

Aktuelles und die Rolle Pakistans und der USA bei der Unterstützung der Taliban

Randersacker, 30.06.2018 -
Liebe Freunde,

wir hatten über die Homepage angekündigt, dass die Süddeutsche Zeitung voraussichtlich am 19.6. einen Bericht über mich bringen wird. Der Autor hatte mir das so mitgeteilt. Wir erwarben die SZ vom 19. und konnten nichts finden.
Die SZ gibt unabhängig von der Tageszeitung auch ein Familienmagazin heraus: Süddeutsche Zeitung – Familie/ Süddeutsche Zeitung – Kinder. Dieses Magazin erscheint sechsmal im Jahr. Am 19.6. erschien die Feriensonderausgabe des Magazins. Und da war ich dann auch drin – als „Mein Lieblingslehrer“.

Der Artikel wird in Kürze in unserer Homepage - www.OFARIN.de - erreichbar sein.

Trotz dieser Erfahrung wage ich darauf hin zu weisen, dass unser Tun auch in der „Brigitte“ noch im Juni gewürdigt werden soll.

Am 23.6. fand OFARINs Mitgliederversammlung statt. Dort wurden viele Themen besprochen, u.a. die Möglichkeit der Fördermitgliedschaft. Das Protokoll ist noch nicht ganz fertiggestellt. In diesem Rundbrief kann so noch nicht angemessen über die MV informiert werden. Andererseits ist es ja höchste Zeit für die Versendung dieses Rundbriefes. Wir werden im nächsten Rundbrief auf die MV eingehen.


Aus Afghanistan

Für das Id-ul-Fitr, das am Ende der Fastenzeit stattfindet, hatten die wichtigsten Kriegsparteien Afghanistans einen Waffenstillstand vereinbart, der weitgehend eingehalten wurde. Waffenstillstand galt zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban. Die Taliban hatten die ausländischen Truppen ausgenommen und die Regierung die Dawesch, den Islamischen Staat. Die ausländischen Truppen blieben unbehelligt. Die Dawesch verübten einen Anschlag auf die Bevölkerung in der Provinz Nangarhar, wo sie erheblichen Einfluss haben.

Zwischen den Taliban und den Regierungstruppen kam es zu Verbrüderungen. Die Bevölkerung war glücklich und voller Hoffnung. Die Regierung bot den Taliban eine Verlängerung der Waffenruhe an. Die Taliban lehnten ab. Obwohl viele Taliban zeigten, dass sie gerne in Frieden mit ihren Landsleuten leben wollen, setzt die Führung der Taliban den Krieg fort. [Heute, am 30.6., hat die Regierung Afghanitans verlauten lassen, dass auch sie die Kriegshandlungen wieder aufzunehmen gedenkt. - Anmerkung d. Redaktion]

Afghanen sind kriegerisch geprägt. In ihrem Land hat es nie einen funktionierenden Rechtsstaat gegeben, obwohl es immer Richter und Beamte gab. Die waren allerdings in aller Regel korrupt. Fast alle Streitfälle müssen die Menschen untereinander „regeln“ – ohne dass der Staat sich einmischt. Jeder muss sich „auf eigene Faust“ behaupten. Jeder muss sich so aufstellen, dass sich niemand an ihn herantraut. Wer das nicht kann, geht unter. Für größere Auseinandersetzungen muss man als Clan oder Stamm zusammenhalten, ohne dass man deswegen die Feindseligkeiten vernachlässig, die innerhalb von Stamm und Clan schwelen. Es herrscht latente Kampfbereitschaft. Viele Sippen sind schon lange miteinander verfeindet.

Diese Situation lässt sich leicht von außen ausnutzen. Die Engländer verstanden das meisterhaft. Sie versorgten einige Stämme und Sippen an der Grenze von Britisch-Indien und Afghanistan mit Waffen und ermöglichten ihnen so, gegen schon lange verfeindete Stämme Krieg zu führen. Damit waren die Stämme mit sich selbst beschäftigt und kamen nicht auf die Idee, sich zu vertragen und gemeinsam gegen Britisch-Indien vorzugehen.

Das Erbe von Britisch-Indien trat Pakistan an. Die Grenze zu Afghanistan hatten die Briten so festgelegt, dass das Volk der Paschtunen, das den größten Anteil an der afghanischen Bevölkerung stellt, geteilt war. Etwa die Hälfte dieses Volkes lebt jetzt in Pakistan und die andere in Afghanistan. Es besteht unter den Paschtunen diesseits und jenseits der Grenze ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Afghanistan hat die Grenze gegenüber Pakistan nie anerkannt und hat, wenn es dazu in der Lage war, immer „Befreiungsbewegungen“ gegen die pakistanische Regierung gefördert.

Die Teilung von Britisch-Indien in Pakistan und Indien wird in Indien und auch in Teilen der Bevölkerung Pakistans als Trauma empfunden. Die pakistanische Armee fühlt sich berufen, die Einheit Pakistans zu wahren und ist in ihrem ganzen Denken auf die Gegnerschaft zu Indien fixiert. Dabei ist Afghanistan „im Rücken“ von Pakistan eine zusätzliche Gefährdung. Wenn Indien und Afghanistan zusammenhalten, ist Pakistan in Gefahr. Wenn dagegen Afghanistan unter pakistanischer Kontrolle ist, gewinnt Pakistan „strategische Tiefe“. Im Falle eines indischen Angriffs könnten indische Truppen das geografisch gesehen relativ schmale Pakistan schnell durchstoßen. Wenn aber die pakistanischen Truppen auch das Territorium Afghanistans nutzen könnten, könnten sie sich vor den Indern dorthin zurückziehen und dann einen Gegenschlag führen.

Deshalb unterhält Pakistan in Afghanistan die Talibanbewegung und kann dieser nicht erlauben, mit der afghanischen Regierung Frieden zu schließen. Das Vorgehen ist wie bei den Engländern. Alte Feindschaften afghanischer Clans werden dadurch gefördert, dass sie bei den Taliban mitmachen. Das ist relativ preiswert zu haben. Die Taliban, die auf dem Land leben, führen ihr Leben im Wesentlichen weiter. Sie leben zu Hause und bearbeiten ihre Felder.

Aber umsonst ist es nicht. Die Taliban brauchen nicht nur Waffen und Ausrüstung. Auch ihre Kämpfer werden entlohnt und ihre Anführer brauchen erhebliche Subsidien. Im „Friedensfall“ hätte die afghanische Regierung den Taliban und ihren Häuptlingen kaum etwas zu bieten. Für Anschläge in der Stadt Kabul sind fast ausschließlich die Haqqanis zuständig. Das sind Angehörige eines afghanischen Clans aus dem Grenzgebiet zu Pakistan, die eng mit dem pakistanischen Geheimdienst zusammenarbeiten und deren Anführer in einem eigenen Palast in Islamabad residieren.

Das pakistanische Militär kann sich diese Subversion leisten, weil es selber von den USA subventioniert wird. Pakistan besitzt die Atombombe. Es besteht die permanente Gefahr, dass diese Bombe an radikale Islamisten geraten könnte. Die USA meinen diese Gefahr verringern zu können, indem sie Pakistans Militär satt alimentieren. Diese Schutzgeldbeziehung firmiert unter dem Namen „strategische Partnerschaft“. Die USA finanzieren so die Taliban und auf der anderen Seite ihre Soldaten, die den Kopf dafür hinhalten.

Verschärft wird alles dadurch, dass gegen Ende des letzten Jahrhunderts Zia-ul-Haq, der damalige Herrscher Pakistans, sein Land für die wahabitische Mission durch Saudi-Arabien freigab. Das hat erhebliche Spannungen zwischen den Religionen und Konfessionen Pakistans geschaffen. Afghanistan hat es vermutlich die Dawesch beschert, den Islamischen Staat. Möglicherweise ist der Islamische Staat in Afghanistan aber auch nur eine von einem anderen Zweig des pakistanischen Geheimdienstes geführte regierungsfeindliche Organisation in Konkurrenz zu den Taliban. Eine Beziehung der afghanischen Dawesch zum islamischen Staat in Syrien und dem Iraq gibt es scheinbar nicht.

Neben Pakistans Taliban gibt es im Westen Afghanistans auch vom Iran finanzierte Taliban. Auch die USA hatten sich ein gewisses Kontingent eigener Taliban geschaffen. Aber die Taliban, die von Pakistan finanziert werden, sind bei weitem die bedeutendsten.

Angesichts dieser Konstellation wirken die Versuche der afghanischen Regierung, Friedensfühler in Richtung auf die Taliban auszustrecken, rührend. Hier ist nur eine weitreichende Vereinbarung in der ganzen Region unter Einbeziehung der USA sinnvoll, die auch Pakistans Sicherheitsbedürfnisse anerkennt. Ein solcher Friedensschluss wäre für alle Seiten von erheblichem Vorteil.