Rundbrief von OFARIN, neue Version

Schweizer Stiftungen helfen OFARIN vorerst - Die momentane Arbeit in Afghanistan

Randersacker, 31.03.2018 - Liebe Freunde von OFARIN,
mir ist ein peinlicher Fehler unterlaufen. Ich habe eine noch nicht fertige Version des Rundbriefs zum Verschicken freigegeben. Tut mir leid. Hier nun die durchgesehene Endversion:


Zwei Stiftungen aus der Schweiz haben uns unter die Arme gegriffen. Für das laufende Jahr (ab 1.3.) stehen jetzt knapp 230.000 Euro zur Verfügung. Damit können wir ein Jahr lang weiterarbeiten. OFARINs Kompetenzen bleiben erhalten.
Dass ich behaupte, dass das toll ist, was da erhalten bleibt, ist ja klar. Ich muss für OFARIN Reklame machen. Wer aber hört, dass über 50 Lehrer weiterarbeiten, ohne dass wir sie bezahlen können, wird tief durchatmen. OFARINs Lehrkräfte halten einen Unterricht, der sich offenbar sehr von dem unterscheidet, den sie erlebt hatten, als sie noch die staatliche Schule besuchten. Sie können vergleichen. Und wenn über 50 von Ihnen ohne Bezahlung ihre Arbeit fortsetzen, kann man auf meinen Kommentar über unseren Unterricht verzichten.

OFARIN ist nicht die einzige ausländische Organisation, die in Afghanistan Schulunterricht unterstützt. Auch andere deutsche Vereine sammeln Geld. Einige helfen dabei, Schulhäuser zu bauen. Andere schicken Geld. Meist beschäftigt der Staat zu wenige Lehrer. Mit der Unterstützung aus dem Ausland können zusätzliche Lehrer angestellt werden. Für manche Hilfsorganisationen reisen Mitglieder nach Afghanistan und besuchen die Schulen ihrer Partner - ein- oder gar zweimal im Jahr für einige Tage. Andere schicken nur Geld. Zu solchen Organisationen gehören meist Exil-Afghanen. Die senden die Mittel an Verwandte, damit diese in ihrer Heimat eine Schule - meist eine staatliche Schule - unterstützen. Welche Wirkungen können solche Aktivitäten in Afghanistan entfalten? Der Bau von Schulgebäuden ist - man denke nur an die hohen Kinderzahlen - eine echte Unterstützung. Die Finanzierung zusätzlicher Lehrer ist es ebenfalls. Aber an dem, was im Unterricht geschieht, ändern diese ausländischen Eingriffe nichts, zumal das Erziehungsministerium vorschreibt, wie staatliche Schulen arbeiten müssen.

Von Anfang Januar bis zum 1.März waren wir - Anne Marie und ich - in Kabul. In dieser Zeit haben wir uns vor allem dem Unterricht gewidmet, also der Aufgabe, OFARINs Kompetenzen zu pflegen und zu verbessern. Unsere Arbeit besteht also nicht nur darin, Menschen und Institutionen um Geld anzubetteln.

Hier beginnen wir mit einem kleinen Bericht von unserer diemaligen Routinearbeit in Afghanistan:

Weiterführung des Unterrichtsbetriebes:
Es wurden Seminare abgehalten, in denen Lehrkräfte auf neue Stoffgebiete vorbereitet wurden. Der Unterricht wurde sehr fleißig von den Trainern - und auch von uns - besucht. Anschließend fanden immer gründliche Besprechungen des Gesehenen statt.

In der Moschee von Qulala-e-Puschta war der Unterricht schon lange ein Problem. Der Leiter dort, Hadschi Akbar, hat große Verdienste für diese Moschee-Schule. Er hat den Bau des Gebäudes größtenteils selber finanziert. Uns hatte er überredet, dort unser Programm durchzuführen. Aber als Trainer war er eine Fehlbesetzung. Zwei Jahrzehnte hatte er als Lehrer an einem "renommierten" staatlichen Gymnasium unterrichtet. Jetzt verstand er nicht, was uns daran störte, dass Schüler die Schreibhefte nicht zum Unterricht mitbrachten oder dass Lehrer die Anwesenheitsliste nicht führten. Auch dass in seinen Klassen höchstens ein Viertel der Schüler den Stoff, der durchgenommen wurde, einigermaßen beherrschte, hielt er für ganz normal.
Wir hatten ihn seit Jahren gedrängt, sein Amt als Trainer auf jemand anderen zu übertragen. Das lehnte er ab. Es konnte nicht am Geld liegen. Hadschi Akbars Familie ist reich. Er verstand nicht, dass es uns nur um die Qualität des Unterrichts ging.
Jetzt handelten wir und stellten den Unterricht in seiner Moschee ein. Hadschi Akbar brauchte drei Wochen. Dann bat er uns darum, weiter zu machen. Er willigte ein, dass wir von ihm unabhängige Trainer einsetzen. Wird er sich in Zukunft zurückhalten?
Solche Reibereien gehören zur Arbeit von OFARIN. Ohne sie lässt sich das Erreichte nicht bewahren.

Zwei Mitarbeiter, eine Frau und einen Mann, hatten wir schon länger nur weiterbeschäftigt, weil es keinen triftigen Grund gab, sie zu entlassen. Auch Hussain, der Manager des Unterrichtsprogramms, beobachtete die beiden mit Sorge. Im letzten Herbst hatte ich keine Hoffnungen mehr, dass die beiden sich je zu selbstverantwortlich entscheidenden Mitarbeitern entwickeln könnten. Hussain war nicht ganz so pessimistisch: "Gib mir etwas Zeit und lass mich machen! Ich rede mit denen. Vor Dir haben die Angst. Entlassen können wir die immer noch."
Als wir im Januar wieder nach Kabul kamen, kannten wir die beiden nicht wieder. Sie waren fröhlich und zeigten in einem Maße Initiative, das wir nie für möglich gehalten hatten.
Trotz der kläglichen finanziellen Ausstattung lief alles normal, wir hatten sogar den Eindruck, dass alles etwas besser lief als sonst.


Am kommenden Donnerstag, 5.4., 21 Uhr erscheint die Fortsetzung dieses Berichts. Dann wird es auch noch einmal um die Zukunft OFARINs gehen.