Garbsen und Neustadt:

Prozessbegleitung SPRINT-Dual gestaltet die Sendung Plattenkiste von NDR 1 Niedersachsen

Elisabeth Knelangen, Ayub Moradi, Kerstin Werner und Lutz Klingenberg

Hannover, 02.01.2018 - Viel zu erzählen gab es in der Sendung "Plattenkiste" bei NDR 1 Niedersachsen. Am 2. Januar zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Elisabeth Knelangen, Ayub Moradi und Lutz Klingenberg mit Moderatorin Kerstin Werner über die Prozessbegleitung SPRINT-Dual aus Garbsen und Neustadt. Hier werden junge Flüchtlinge in Niedersachsen ins Berufsleben begleitet.

Angefangen hat es mit einem Schulprojekt des Kulturministeriums rund Sprache und Integration von Flüchtlingen, erklärt Elisabeth Knelangen. Sie half bei einem Sprachkurs für Flüchtlinge aus und engagierte sich dann begeistert weiter. Die Ausschreibung "Prozessbegleitung" war ihre persönliche Initiatialzündung. Das Projekt startete erstmals im Herbst 2016 und endete mit der ersten Runde nun im Sommer 2017. Die ersten Schüler sind jetzt schon in ihrer Ausbildung.
Lutz Klingenberg von der Firma Klingenberg in Garbsen betreut einen solchen Auszubildenden. Er rühmt seinen Azubi Mohammed - fleißig, pünktlich und engagiert. Sein eigener Sohn ist im selben Alter, und als die Handwerkskammer anfragte, war es für ihn schon deshalb selbstverständlich, einen jungen Menschen zu unterstützen. Der junge Mann ist eine Bereicherung für den Betrieb, sagt er und nennt Fahrbereitschaften, gemeinsame Frühstücksrunden und freundliches Miteinander.

Ayub Moradi ist 19 Jahre alt, selbst in Ausbildung bei Firma Artemis, und findet das Projekt großartig. Er kam 2015 aus Afghanistan allein nach Deutschland. Dort besuchte er nur zwei Jahre die Koranschule, mehr Schulbildung hatte er nicht. Sprache, Kultur, Kleidung, Essen - alles in Deutschland war anders und fremd für ihn. Sein neues Zuhause fand er in Neustadt und lernte Deutsch mit Bekannten und Freunden, infomierte sich und setzte sich von Anfang an mit all dem Neuen aktiv auseinander. Als er keinen Job bekam, war die Hilfe durch Elisabeth Knelangen ihm sehr wichtig.

Das Projekt wendet sich an 16- bis 21jährige, berichtet Elisabeth Knelangen. Begleitet werden sie aber auch bis zum Alter von 25. Es geht darum, Schulen zu unterstützen und verbindet alle in Netzwerken: junge Flüchtlinge, Ausländerbehörden, Sozialbehörden, Jobcenter, Schulen, Kammern, Arbeitgeber ... Sie ist in Niedersachsen zuständig für den Bereich Neustadt, Nienburg, Verden, Diepholz, Sulingen und Syke. Manchmal gibt es unerwartete Schwierigkeiten mit den unterschiedlichen ?mtern, ergänzt Lutz Klingenberg, der sie dann um Hilfe und Vermittlung bittet, wenn es an einer Stelle hakt.

Dem Auszubildenden Mohammed bei Firma Klingenberg und einem weiteren Flüchtling aus Syrien, der heute bei Sennheiser arbeitet, konnte durch das Projekt in besonders schwerer Lage geholfen werden. Sie waren über Bulgarien eingereist und sollten dahin zurückgeführt werden. In Bulgarien waren sie aber nach der Einreise in einem Gefängnis untergebracht und hatten den Tod eines Freundes mit ansehen müssen, weil kein Arzt geholt wurde. Elisabeth Knelangen äußert sich erfreut darüber, dass ihr in diesem besonderen Fällen bei deutschen Behörden viel Verständnis und Unterstützung zuteil wird. Doch sie kennt auch Probleme, die die Jugendlichen hier in Deutschland haben: Junge Mädchen sollen verheiratet werden - oft auch die Jungen, mitten in der Ausbildung. Sie hängen zwischen zwei Kulturen - und werden oft von Eltern in ihren Heimatländern unter Druck gesetzt. Oft wissen die Eltern, selbst wenn sie hier sind, mit bestimmten Berufsbildern nichts anzufangen oder halten sie für schlecht für ihr Kind, weil es in ihrer Heimat ganz andere Werte und Urteile zu dem entsprechenden Beruf gibt. Dann ist viel ?berzeugungsarbeit nötig.

Ausbildungsplätze wie auch EQ-Plätze werden weiterhin gesucht für kaufmännische oder handwerkliche Berufe. Elisabeth Knelangen wünscht sich, dass viele Betriebe mitmachen und den jungen Flüchtlingen Chancen bieten. Das könnte schon am 1. Februar losgehen, betont sie.

Von Montag bis Freitag heißt es zwischen 12 und 13 Uhr bei NDR 1 Niedersachsen "Die Plattenkiste - Hörer machen ein Musikprogramm". Die Sendung wird komplett von den Gästen gestaltet. In der Sendung können sich Vereine, Clubs, Organisationen vorstellen - egal ob Chor, Surfclub, Theater- oder Selbsthilfe-Gruppe. Informationen zur Bewerbung unter www.ndr1niedersachsen.de