Wege durch die ewige Stadt, Teil 3:

Basilica San Clemente al Laterano und Santa Maria Maggiore

Durch die genau in Ost-West-Richtung verlaufende Via di San Giovanni in Laterano bewegen wir uns nun langsam wieder unserem Hotel am Hauptbahnhof entgegen.

Garbsen, 24.11.2017 - Am Ende dieser Straße, einem historischen Pilgerweg, würden wir aber auf das Kolosseum stoßen, wenn wir uns nicht hinter der Basilica San Clemente al Laterano durch den Parco de Colle Opio nach Norden wenden würden.

In der letzten, der zweiten, Folge unserer "Wege durch die ewige Stadt" beschrieb ich zum Schluss, was wir vom Lateran, der lange Zeit der Sitz der Päpste in Rom war, mitbekommen haben.
Nun werden wir tief unter der Basilika San Clemente anschaulich erfahren, wie zutreffend für Rom die Bezeichnung "ewige Stadt" ist.

Hier der Blick auf das eher unscheinbare Gebäude, wenn man vom Lateran kommt.


Zu dem Gesamtkomplex gehören auf drei verschiedenen Ebenen:

-> ganz unten römische Gebäudereste zweier z.T. mehrstöckiger Gebäude aus dem 1. Jahrhundert nach Christus, die zum Einen wohl eine staatliche Münzprägestätte ("Moneta") zum Anderen evtl. auch ein Wohnhaus gewesen sein könnten. Auf jeden Fall gab es ab ca. 240 dort auch einen Raum, in dem der Mithras-Kult zelebriert wurde (s.u.)

-> Ca. ab 250 wurde die Moneta aufgegeben und mit dem Schutt der oberen Stockwerke verfüllt, Darauf wurde eine Halle errichtet, die ab 380 in eine dreischiffige Basilika umgebaut wurde, die schon damals dem heiligen Clemens geweiht wurde. Die Mithras-Kultstätte war vermutlich noch mindestens bis 391 in Benutzung.

-> Bei Wikipedia lesen wir: "Unter Papst Paschalis II. (1099-1118), der selbst Kardinalpriester von San Clemente gewesen war, wurde die Ruine der frühchristlichen Kirche bis zur Höhe der Pfeiler verfüllt und als Fundament für die heutige Kirche (Bauzeit 1108-1128) benutzt. Etwa 20m über dem Niveau der Römerzeit entstand der Neubau einer wiederum dreischiffigen, etwas kleineren Basilika (ca. 40 x 20 m)...."


Das Mithräum: Der Altar in der Mitte zeigt eine Abbildung des (Sonnen-)Gottes Mithras, der von einem Vatergott ausgeschickt wurde, um die Welt zu retten. Er wurde aus einem Stein in einer Felsenhöhle geboren... - Auf dem Relief an der sichtbaren Seite des Altars ist zu erkennen, dass Mithras gerade - mit abgewandten Gesicht - ein Tier (Stier) tötet. Er trägt eine phrygische Mütze, ähnlich der Zipfelmütze unserer Schlümpfe. - Dieses Motiv findet man in immer gleicher Art in vielen Mithräen.
Viel über den Mithras-Kult, der im 2. und 3. Jahrhundert in Rom eine Blütezeit hatte, ist allerdings nicht bekannt, u.a. auch, weil seit der Vereinbarung der Religionsfreiheit im Jahre 312 in Mailand und der dann folgenden immer stärkeren Förderung des Christentums durch Kaiser Konstantin heidnische Religionen und Kulte zurückgedrängt und verboten wurden.

Anmerkung: Die Besichtigung der beiden unteren Ebenen kostet regulär 10 Euro pro Person. Kinder unter 16 Jahren in Begleitung der Eltern haben freien Eintritt, ohne Begleitung 5 Euro. Studenten bis 26 mit Ausweis zahlen 5 Euro. Fotografieren & Filmen nicht gestattet (Stand 29.9.17, ohne Gewähr).

Nach Verlassen der Basilika San Clemente wenden wir uns also nach Norden. Das Kolosseum (weiter westlich) würden wir heute nicht mehr verkraften. Davon berichten wir in der nächsten Folge und nehmen uns für den nächsten Tag das Kolosseum, den Palatin und das Forum Romanum vor.


Nach Durchqueren des Parco de Collo Opio finden wir uns bald auf der Via Merulana und erblicken wie bereits Pilger der letzten 600 Jahre den Turm von Maria Maggiore.

Wir sind zwar nicht zuletzt durch den Flug in früher Morgenstunde hierher und die vielen neuen Eindrücke bereits etwas erschöpft, aber als wir sehen, dass die Warteschlange von heute Vormittag verschwunden ist, können wir nicht widerstehen und treten ohne Aufenthalt in die Kirche ein.

Auch hier fällt mein Blick zunächst auf die Decke. Das Gold, das da herab schimmert, soll das erste sein, das die Spanier aus Amerika nach Europa schafften.

Königin Isabella von Kastilien hat es dann dem Papst gestiftet. Die Decke ist Ende des 15. Jahrhunderts entstanden.

Das Innere der Basilika (etwa von der Mitte aus). Die beiden Bögen links und rechts an den Seitenwänden führen zu zwei Kapellen: links der Cappella Borghese und rechts die Sakramentskapelle.

Dieser Mosaikschmuck auf dem Triumphbogen, der früher als Abschlusswand die Apsis umschloss, ist der einzige, fast vollständig erhaltene einer frühchristlichen Kirche des 4. und 5. Jahrhunderts.
Näheres zu den Themen der Darstellungen finden Sie u.a. bei Wikipedia, auch vergrößerte Abbildungen...

Die Cappella Borghese (oder auch Cappella Paolina), die zur Zeit des Borghese-Papstes Paul V. entstand, gilt als prunkvollste Privatkapelle aller römischen Kirchen.

Die Sakramentskapelle von Domenico Fontana aus der Zeit Sixtus V (erbaut ca. 1785) beinhaltet ein kostbares bronzenes Tabernakel (von Ludovico Scalzo).
Ein Tabernakel ist der verschließbare Aufbewahrungsort insbesondere der Hostien, nachdem diese - nach katholischem Glauben - zum Leib Christi umgewandelt wurden.

Blick hinunter in die Confessio unterhalb des Papstaltars. Im Vordergrund die kniende Figur Papst Pius IX mit Blick auf die Reliquie: Reste einer Krippe, die aus Teilen der Krippe des Kindes Jesus Christus bestehen soll.

Zwei Engelsfiguren in der Confessio
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Nach Verlassen der Kirche fällt der Blick noch einmal auf den Sockel der über 40m hohen Mariensäule, die 1614 Papst Paul V. errichten ließ: Dort sitzen Adler und ein wild aussehendes Tier, das uns verwundert.


In der Tat sind es Adler und Drache, die Wappentiere der Papstfamilie Borghese, eines alten europäischen Adelsgeschlechtes, das bis heute existiert.

Uns aber schwirrt der Kopf und müde schleppen wir uns noch in ein Cafe. - Aber eigentlich wollen wir nur noch schlafen.

Morgen erwartet uns das antike Rom - wenn Sie mögen, können Sie in der nächsten Folge (Nr.4) gern mitkommen.