Wege durch die ewige Stadt, Teil 2:

Wir gehen zum Lateran, viele Jahrhunderte lang der Sitz des Papstes

Die Lateran-Basilika, die bereits im 4. Jahrhundert erbaut und danach vielfach umgebaut wurde. Hier der Blick auf die Hauptfassade aus dem Jahr 1736. Rechts daneben der neue Lateranpalast.

Garbsen, 16.11.2017 - In der ersten Folge lasen Sie etwas über die technischen Randbedingungen unsres Kurzurlaubs in Rom.
Hier noch die Ergänzung, dass Links zu einzelnen besuchten Objekten nur dann gesetzt werden, wenn sich das aus dem Text ergibt, oder diese schwer aufzufinden sind. Die meisten der besuchten und bekannten Sehenswürdigkeiten sind bei Wikipedia schnell zu finden, ausführlich beschrieben und oft auch reich bebildert. Für mich waren diese Texte eine gute Nachbereitung.

Nach unserer Landung in Rom Ciampino geht alles reibungslos. Die Zeit reicht um den Shuttlebus zum Hauptbahnhof zu erreichen und am späten Vormittag sind wir im Hotel.
Während die meisten und bekanntesten Sehenswürdigkeiten sich westlich oder südlich von hier befinden, liegt der Lateran, der ehemalige Sitz der Päpste, eher südöstlich. Der verbleibende Nachmittag reicht aus, um eine erste Erkundung Roms in dieser Himmelsrichtung zu starten.

Fast zwangsläufig führt uns unser Weg zunächst an die nahe gelegene Patriarchalbasilika Santa Maria Maggiore.


Ein prachtvoller Anblick! - Aber als wir die vielen Menschen sehen, die sich in einer langen quer über den Vorplatz windenden Schlange zum Einlass angestellt haben, haben wir Grund genug erst einmal weiter zu gehen.
Die Warteschlangen sind vor allem wegen der häufig durchgeführten Sicherheitskontrollen in diesem Jahr sicherlich länger als früher. - Noch wissen wir nicht, dass sich heute Abend eine bessere Gelegenheit bieten wird, das Innere der Basilika anzuschauen. Im Übrigen, so ein Leser, gäbe es am frühen Morgen - bis etwa 9.30 Uhr noch keine Warteschlangen.


Nur ein kurzes Stück weiter östlich liegt die unscheinbare Kirche Santi Vito e Modesto.
Im Hintergrund links ist der Arco di Gallieno, der ein Teil der alten römischen Stadtmauer, der "Servianischen Mauer" (erbaut ab ca. 600 - 500 v.Chr.) war und die seit etwa dem Jahre 0 die im Osten des antiken Roms gelegene Porta Esquilina zierte.


Davor, unmittelbar neben der Kirche, ein kleiner von Pietro Lombardi 1927 geschaffener Brunnen, "Fontana dei Monti", der in seinem Aufbau die drei östlicheren der sieben Hügel Roms symbolisieren soll: Viminal, Esquilin, und Caelius.


Die übrigen vier Hügel liegen in einer ein wenig westlicheren Reihe ebenso von Nord nach Süd: Quirinal, Kapitol, Palatin und Aventin. Die sieben Hügel zusammen bilden den Ort des antiken Roms und wurden von der bereits weiter oben erwähnten Servianischen Mauer umgeben.

Auf dem Esquilin befindet sich übrigens im Norden Santa Maria Maggiore und am nordöstlichen Rand der Hauptbahnhof ("Stazione Termini").


Nicht weit entfernt stoßen wir auf die Piazza (den Platz) Vittorio Emanuele II mit einem rätselhaften Steinmonument, dem Nymphaeum divi Alexandri. Zuhause finden wir heraus, dass das ein monumentaler Brunnen war, der im Jahre 226 von Kaiser Severus Alexander gebaut wurde.

Aus dem Internet lässt sich über verschiedene (z.T. italienisch-sprachliche) Quellen entnehmen:
Was wir heute sehen, ist nichts anderes als der Ziegelrahmen des Brunnens, der großartig gewesen sein muss (25 Meter lang und 20 Meter hoch). Er war reich verziert, vollständig mit Marmorplatten verkleidet und mit mehreren Statuen geschmückt. Es soll zahlreiche Seerosenteiche in der Nähe gegeben haben. Das Ganze wurde von einem Aquädukt gespeist.


Die Villa Giustiniani-Massimo wurde ab 1600 von dem Genuesen Vincenzo Giustiniani erbaut. Auffällig sind die vielen schönen antiken Reliefs, die das Haus schmücken.
1803 wurde die Villa an die Familie Massimo verkauft; 1821-28 schmückten die deutschen Maler Schnorr, Koch, Veit, Overbeck und Fuhrich ihr Interieur mit Fresken, die Szenen aus Werken von Ariosto, Dante und Tasso zeigen.
1948 wurde die Villa vom Franziskanerorden, nämlich der Kustodie des Heiligen Landes erworben, und beherbergt heute die Delegation für Italien.
Mehr zu dieser Villa Massimo (nicht zu verwechseln mit der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo!) finden Sie HIER auf der unteren Hälfte der verlinkten Seite.

Wir passieren auf der Via Matteo Boiardo noch einen Häuserblock und gelangen zum Lateran, d.h. zur Piazza di San Giovanni in Laterano.
Zunächst fällt unser Blick auf die an ihrer Eingangsfront durch ein Gerüst verhüllte Scala Santa.


Die Seitenansicht auf die Scala Santa, die die Apsis des alten Speisesaals des Papstes, das "Leonische Triclinium", zeigt, entschädigt aber. Man blickt hier auf Teile des alten Lateranpalastes, in dem sich auch die...


...eigentliche Scala Santa (Heilige Stiege) befindet. Es sind die 28 heute durch Holz verkleideten Marmorstufen, auf denen Jesus einst in Jerusalem zu Pontius Pilatus empor steigen musste um sein Urteil zu empfangen. Die Stufen ließ die heilige Helena, Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen, im Jahre 326 nach Rom bringen. Heute bewältigen Gläubige im Gedenken an Jesus Christus die Treppe nur auf Knien, was auch zur Vergebung der Sünden führen soll...

Am oberen Ende der Treppe befindet sich Capella "Sancta Sanctorum", das Heiligste Heiligtum Roms, welches zahlreiche von Jesus und den Aposteln stammende Reliquien enthalten soll. Heute werden sie im Museum des Vatikans aufbewahrt.

Auch der parallele Treppenaufgang ist reich mit Fresken verziert.

Ausschnitt aus der Deckenbemalung

Ausschnitt aus der Wandbemalung.



Nun wenden wir uns der Lateran-Basilika ("San Giovanni in Laterano") zu. Sie ist Bischofskirche von Rom und damit die ranghöchste der vier Papstbasiliken Roms, die direkt dem Heiligen Stuhl unterstehen. Die übrigen drei sind Santa Maria Maggiore, San Lorenzo fuori le mura (Sankt Laurentius vor den Mauern) und der Petersdom.

Auffällig sind die großen Figuren (7m) auf der imposanten Hauptfassade.

Da zur Zeit wenig Besucher da sind, strahlt bereits der Eingangsbereich...

...mit seinem bronzenen, aus dem Forum Romanum stammenden Hauptportal, eine ruhige erhabene Atmosphäre aus.

Im riesigen langgestreckten Innenraum des Mittelschiffs geht der Blick zunächst an die geschnitzte und vergoldete Kassettendecke (16. Jh.).

Die Apsis

Die Seiten des Mittelschiffs werden von den großen Statuen der 12 Apostel dominiert. Sie wurden unter anderen von Schülern Gian Lorenzo Berninis (1598 - 1680) angefertigt. Hier einige davon:

Bartholomäus

Thomas

Petrus

Johannes

Und fast ein wenig übertrieben demonstrativ, aber wie bei allen Figuren mit unglaublicher anatomischer Genauigkeit und Liebe zum Detail, Matthäus.

Diese Darstellung befindet sich innen rechts weit oben über dem Eingangsportal. - Mir ist nicht klar, wer da abgebildet ist. Bin dankbar für jeden Hinweis an leineblick@web.de.

Links die andere Seite des neue Lateranpalastes, im Hintergrund die Seitenansicht der Basilika. Die Türme markieren die nördliche Front ihres Querschiffs.


Die Lateranbasilika können Sie HIER, auf einer site des Vatikans, von 13 verschiedenen Innen- und Außenpunkten aus in hochwertigen 360-Grad-Rundumbildern betrachten. - Es lohnt sich!


So weit erst einmal unser Hinweg zum Lateran. Den Rückweg, der uns ein ganzes Stück unter die Erde bis hin zu antiken Fundamenten und in die Basilika Santa Maria Maggiore führen wird, können Sie in der nächsten, der dritten, Folge nacherleben. Sie wird am Freitagabend, 24.11.2017, um 21 Uhr erscheinen.


- Wie wäre es übrigens, ein Jahr in Rom in einer dieser Dachgartenwohnungen zu leben?