Naturkundliches:

Das Storchennest

Als Beispiel die Meyenfelder Nisthilfe vom 27.10.2017

Hannover / Garbsen, 30.10.2017 - Grundlage einer Nisthilfe, wie sie am vergangenen Freitag in Meyenfeld errichtet wurde, sind auf Lücke gesetzte Bretter. Normalerweise benötigen Störche kaum weitere Hilfen. Sie können alles auch allein bewerkstelligen, wie man in Meyenfeld in diesem Sommer gesehen hat:



Auf die Hölzer habe ich beim Meyenfelder Nest einen Rollrasen, quasi als "Teppichboden" legen lassen - allerdings mit den Wurzeln nach oben, damit das Gras nicht aufwächst. So ein Rollrasenstück wird normalerweise vom Winde nicht verweht und bietet für längere Zeit einen "weichen" Untergrund. Auf den Rollrasen kam dann eine Schicht Pferdemist. Dieser wird allerdings nicht so lange oben bleiben, sondern nach und nach vom Winde verweht werden - es sei denn das Nest wird besetzt und weiter ausgebaut.

Storchennester sind nicht vergleichbar mit Singvogelnestern. Sie haben keine tiefe Mulde, wo sich Wasser sammeln könnte - zumindest nie soviel, dass Jungstörche ertrinken könnten! Das Storchennest ist mehr oder weniger eine Plattform.

Zu Brutbeginn wird ein Kranz von Zweigen aufgebaut und fest verzahnt. Das Innere wird ausgepolstert. Im Laufe der Brutzeit krabbeln die Jungen schon sehr früh zum Koten an den Nestrand und geben aus Gründen der Nesthygiene ihr Harnsäure-Kot-Gemisch über den Nestrand nach außen ab. Später treten sie nach dem Vorbild der Eltern auf den dem Wind abgewandten Nestrand und koten über Bord. Durch diese "Nutzung" des Nestrandes werden die im Frühjahr aufgelegten Zweige flach getreten. Am Ende der Brutsaison ist dann das Nest "platt":

Hier drei junge Weißstörche im Alter zwischen zwei und drei Wochen in so einem flachen Nest (Grasdorf im Mai 2011)


Auf so einer, in einem langen Evolutionsprozess herangebildeten Nestplattform kann niemand ertrinken - auch nicht wenn eingetragene Platikelemente den Nestboden verdichten.

Verluste durch Witterung passieren immer dann, wenn Dauerregen (über mehrere Tage) und niedrige Temperaturen (nachts kälter als 10 Grad Celsius) auftreten. Dann können die Eltern die Jungen nicht hinreichend abschirmen und warm halten. Die Jungen verklammen, werden lethargisch und gehen ein. Kleine Junge frißt der Altstorch auf (Kronismus), größere werden über Bord geworfen. Gegen solche Wetterkonstellation kann man nichts machen. Das ist Natur. Der gegenwärtige Boom im Bestand zeigt, dass "unterm Strich" in letzter Zeit genug Junge groß geworden sind und der Bestand prosperiert!

Ich warne vor dem Nest-Durchstoßen oder dem Entfernen der Nestkerne, die dann mit Hackschnitzel "ausgepolstert" werden, um die Drainage zu verbessern. Mit solchen Maßnahmen destabilisiert man das kompliziert verflochtene Nest und pfuscht Mutter Natur ins Handwerk! Der Storch ist kein Haustier!

Dr. Reinhard Löhmer, Naturschutzbeauftragter für die Weißstorchbetreuung der Region Hannover