OFARIN-Sendung bei arte geplant

OFARIN wird weiter in Afghanistan unterrichten, aber noch wird Rat & Tat von au3en gebraucht!

Kabul, 25.08.2017 -
Liebe Freunde,

hier in Kabul sind wir immer wieder beeindruckt, wie selbstverständlich und absolut korrekt inzwischen alles bei OFARIN läuft. Sicher, unser Büro ist noch nicht von Entlassungen betroffen. Doch jeder Mitarbeiter musste massive Gehaltskürzungen hinnehmen. Und auch der verbleibende Moschee-Schulunterricht findet statt, als sei alles bestens.
In einem dramatischen Rundbrief hatten wir Sie wegen der Lage von OFARIN alarmiert. Doch die Rundbriefe der letzten Wochen enthielten alles Mögliche - Ethnologisches, Persönliches. Das war möglicherweise auch interessant und mir schien es wichtig. Aber Sie wollten schon länger wissen, wie es weiter geht und ob überhaupt. Aber das wussten wir nicht und wissen es immer noch nicht. Ganz untätig waren wir nicht. Wir haben von Deutschland aus Kontakte geknüpft. Ob sich daraus etwas ergibt, muss sich zeigen. Schließlich haben wir uns von einem Schweizer Institut Stiftungen in der Schweiz und in Deutschland vorschlagen lassen, die unsere Arbeit unterstützen könnten. Einige davon haben wir angeschrieben. Sichere Erfolge lassen sich noch nicht melden.
Das Konzept, das wir solchen möglichen Partnern vorschlagen ist folgendes: Wir suchen ein ganzes Gremium von Partnern, die uns in Zukunft unterstützen. Schließlich ist es unwahrscheinlich dass wir einen Sponsor finden, der eine Last wie bisher Misereor alleine trägt. Und selbst die großzügige Unterstützung des Bischöflichen Hilfswerkes war in den letzten Jahren nicht mehr ausreichend, um den drängenden Wünschen der Menschen und auch der afghanischen Behörden nach mehr Unterricht nachzukommen.
Andrerseits ist auch in Zukunft ein Büro unverzichtbar. Außenstehende könnten meinen: Hauptsache, der Unterricht geht weiter. So ist es leider nicht. Ohne sein Büro mit Trainern ist OFARIN nichts. Aus diesem Büro wird alles gesteuert und verwaltet. Vor allem wird von diesem Büro aus auch unser Unterricht gestaltet, gesteuert und weiterentwickelt. Dort wird Unterrichtsmaterial ausgearbeitet und Lehrer werden auf neue Aufgabengebiete vorbereitet. Das leisten die Trainer. Sie sind das Rückgrat unseres Erfolges. Sie sind die Träger von OFARINs Kompetenz. Leider ist das Büro nicht umsonst zu haben. Wir schätzen, dass es 170.000 ? im Jahr kostet.
Für den eigentlichen Unterricht bietet sich eine Unterteilung in Unterrichtsblöcke an. Jeder Block sollte aus je einem weiteren Trainer, der für 17 Klassen mit Lehrkräften zuständig ist, bestehen, sowie aus drei weiteren Teilzeitkräften für Lagerhaltung und Putzen. Außerdem sollte jeder Block mit Mitteln für sein Unterrichtsmaterial, seine Heizkosten, seine Transporte, etc. ausgestattet sein. Solch ein Block kostete jährlich 20.000 ?. In ihm würden 350 bis 400 Schüler unterrichtet werden.
Wir träumen von einem Hauptpartner, der unsere Arbeit mit den Mitteln für das Büro und drei Unterrichtsblöcke finanziert. Weitere Partner könnten dann weitere Blöcke fördern. Diese Partner könnten Stiftungen sein, auch staatliche Stellen oder Zusammenschlüsse von Einzelpersonen.
Der Unterschied in den Kosten des Büros und einzelner Blöcke ist erheblich. Es wird schwierig werden, einen Hauptpartner zu finden. Hier müssen wir flexibel sein und eventuell andere Lösungen für die Finanzierung des Büros finden.
Vielen von Ihnen wird die Finanzplanung, die wir hier vorstellen, etwas luftig weltfremd erscheinen. Wo nehmen die den Optimismus her, um solche kostspieligen Vorstellungen zu entwickeln? Dazu muss noch über eine Aktion berichtet werden, die gerade zu Ende geht:
Vor etwa acht Jahren wurden wir von Uli Reinhardt und Carsten Stormer von der Reportage-Agentur "Zeitenspiegel" aus Weinstadt-Endersbach bei Stuttgart besucht. Uli hatte diese Agentur gegründet und mit seinen Kollegen entwickelt. Schließlich gehörte sogar eine Journalistenschule und ein Kindergarten dazu. In Kabul begleiteten uns die beiden zu verschiedenen Unterrichtsveranstaltungen. Uli fotografierte und Carsten schrieb. Die Reportage erschien im Magazin "Kontinente". Wir hielten Kontakt nach Endersbach. So erreichte unser Hilferuf auch den Zeitenspiegel. Es war zunächst nur ein kaum glaubliches Gerücht. Doch dann teilte uns Carsten die Gewissheit mit, dass der Fernsehsender ARTE gerne eine Reportage über uns und unsere Arbeit in Afghanistan bringen möchte. Carsten, der sich inzwischen auch mit Fernsehberichten einen Namen gemacht hatte, bekam den Auftrag. Ein Team kam aus Berlin und nahm uns in Randersacker in unserem heimischen Umfeld auf. Dann reisten wir nach Afghanistan. Vor knapp zwei Wochen kamen Uli und Carsten nach Kabul und es ging los. Jedem, der gerne auch einmal in einer Fernsehreportage vorkommen möchte, sei gesagt: Das ist anstrengend. Wir mussten immer sehr früh raus, um den Unterricht zu besuchen und blieben dann dort, bis alles zu Ende war. Dann liefen die Schüler die Treppen hoch und raus auf die Straße. Carsten filmte das alles. Es konnte vorkommen, dass die Kinder noch einmal zurück in die Unterrichtsräume mussten und der Abgang noch einmal aufgenommen wurde. Viele Lehrerinnen und Trainerinnen wurden interviewt. Nie wurde jemand nur befragt. Immer wurde seine ganze Umgebung und möglichst viel von seinen Lebensumständen gefilmt. Ganz toll war eine Reise in unser Projektgebiet in Paryan/Pandschir. Schließlich hatte Carsten an die 20 Stunden Film beisammen. Die Fernsehübertragung wird 30 Minuten dauern. Dieser Aufwand bei den Aufnahmen ist Zeichen für soliden Fernsehjournalismus. Manche private Fernsehanstalt hätte eine Reportage mit entsprechendem Thema in zwei Tagen im Kasten.
So lernten wir vieles über die Arbeit von Fernsehleuten. Aber wir sahen auch vieles in unserem Unterrichtsprogramm deutlicher. Ein Teil der Lehrerinnen und Lehrer, die wir entlassen mussten, unterrichten ohne Lohn weiter. Sie haben Spaß am Unterrichten und fühlen sich verpflichtet, etwas für die Schüler und für ihr Land zu tun. Unterrichtserfolge stärkten die Motivation. Auch wurden Eltern, Lehrerinnen, Schülerinnen und Mullahs über die Möglichkeiten von Mädchen und Frauen befragt, eine berufliche Zukunft anzustreben. Es bestätigte sich, dass die Leistungen der staatlichen Schulen tatsächlich so schlecht sind, wie wir in unseren Berichten immer wieder behaupten. Wir verstehen aber besser, wie es möglich ist, dass man in zwölf Jahren Schulunterricht nichts lernt. Die Vorschriften des Erziehungsministeriums zwingen die Lehrer zu unglaublichem Unsinn. In Afghanistan weiß man wirklich nicht, wie ein ordentlicher Unterricht aussehen sollte und wie man ihn organisiert. Die internationale Gemeinschaft hat von 2002 bis heute das hilflose Treiben des Erziehungsministeriums finanziert und keinen einzigen Blick darauf geworfen, was in den Schulen Afghanistans geschieht. Es wurde sehr klar, dass der Unterricht von OFARIN ungeheuer wichtig für Afghanistan ist.
Der Film von ARTE muss jetzt geschnitten werden und wird dann möglichst schnell ausgestrahlt. Damit rechnen wir bereits gegen Ende September. Wir selber kommen am Wochenende wieder zurück nach Deutschland und müssen uns auf das vorbereiten, was kommt. Aber was kommt? Wir werden weitere potentielle Geldgeber anschreiben. Eventuell müssen wir sie persönlich besuchen.
Unser Konzept, für die Finanzierung unseres Programmes ein ganzes Gremium von Partnern zu gewinnen, erfordert eine intensivere Kooperation, Verwaltung und Dokumentation in Deutschland. Schon der Umgang mit Geld, das aus verschiedenen Quellen sprudelt (hoffentlich!), erfordert eine professionelle Dokumentation in Deutschland. Das werden wir jetzt mit einem Profi erörtern.
Aber auch die inhaltlichen Kontakte zu möglicherweise sehr verschiedenen Partnern, erfordern mehr Aufwand als bisher. Obwohl wir nicht wissen, was auf OFARIN zukommt, suchen wir nach Freunden mit denen wir das bald durchsprechen können und die dann bereit stehen, Aufgaben zu übernehmen. Nach unserem ersten Hilferuf hatten sich gute Freunde aus unserer heimischen Umgebung zusammengefunden, die bereit sind, etwas für OFARIN zu tun. Mit denen werden wir uns wieder zusammensetzen. Aber selbstverständlich ist uns guter Rat aus anderen Regionen ebenfalls sehr willkommen. Rufen Sie uns an (0931/708590) oder schicken Sie eine Mail (schwittek@t-online.de)!
Ein Fernsehfilm über uns, der mindestens in allen deutsch- und französischsprachigen Ländern Europas ausgestrahlt wird, ist eine riesige Chance. Doch wie nutzt man die? Sollte man da irgendetwas vorbereiten? Viel Zeit ist ja nicht mehr. Was muss man tun, nachdem der Film ausgestrahlt wurde? Ich gebe zu, dass wir reichlich einfallslos sind und Angst haben, eine große Chance zu vertrödeln. Da können Sie uns mit Ihrem guten Rat sehr helfen.
Sobald der Termin feststeht, an dem der Film gezeigt wird, teilen wir den durch einen Rundbrief mit.

Kabul im August 2017
Peter Schwittek