Garbsen-Meyenfeld

Seit mehr als 80 Jahren will sich wieder ein Paar Wei3stoerche in Meyenfeld ansiedeln - wie es aussieht

Der junge Storch am 19.4.2017 -- Alle Bilder und der ueberwiegende Text: Dr. Loehmer

Garbsen-Meyenfeld, 21.04.2017 - Viele Meyefelder/innen werden es bereits erfahren haben: Seit dem 09.04.2017 hält ein Einzelstorch Kontakt zum Firstende eines Hauses "Im Bleeke". Seit dem 14.04.2017 beginnt der Storch (ohne jegliche Hilfe) mit dem Nestbau auf dem nördlichen Firstende. Relativ viele Zweige rutschen vom Dach. Einige bleiben aber haften.

Bei der ersten Kontrolle durch den Naturschutzbeauftragten für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover (und im Landkreis Nienburg), Herrn Dr. Löhmer, am 19.04.17/14:00 Uhr ist bereits soviel Nistmaterial aufgebaut, dass der Storch schon im Nest sitzen kann! Der Storch ist unberingt, zu diesem Zeitpunkt noch unverpaart und erfahrungsgemäß wohl ein jüngerer Vogel.

"Wenn ein Storch auf diese Weise einen Standort aussucht", so Dr. Löhmer, "ist das der biologisch beste Weg für eine Nest-Neugründung. Es sollte alles getan werden, um den Standort Meyenfeld zu sichern, der in der Weißstorchstatistik für Niedersachsen letztmals 1934 mit einem Brutpaar und zwei ausfliegenden Jungen erwähnt worden ist.
Aller Erfahrung nach wird der Storch in nächster Zeit das Nest weiter ausbauen. Es kann gut sein, dass die Konstruktion hält. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass das Nest vor allem bei Starkwind abrutscht. Dem Storch muss geholfen werden!"

Eine Sicherung des Nestes auf dem Firstende (durch den Menschen) sei aber nicht zu empfehlen, weil das sehr aufwändig und auch schwer zu realisieren wäre, ohne den Storch nachhaltig zu stören. Langfristig sollte das Nest dort auch nicht bleiben. Ideal wäre die Errichtung einer Masthilfe auf einer der freieren Flächen, die es ja in der Nähe auch gibt, z.B. dem Anger. Der Standort sollte dort so ausgewählt werden, dass es keine Störungen gibt, aber von der Straße aus von der Bevölkerung gut zu beobachten ist.


Auf dem Bild erkennt man eine Masthilfe, wie sie z.B. von der Fa. Gala-Bau in Lehrte/Kolshorn gefertigt und in Liethe aufgestellt wurde. Ähnliche Masthilfen für Störche stehen auch in Alt-Laatzen und Stöcken. Sie wurden stets gut angenommen.



Dr. Löhmer gibt in einer weiteren Mail die nachstehenden Informationen und Einschätzungen:

"Die Neugründung ist in mehrfacher Hinsicht überraschend. Sie hat stattgefunden in einem Raum/Ort, der vermutlich mehr als 60 Jahre ohne Störche gewesen ist. Die Ansiedlung ist auf einer Unterlage (Firstende!) erfolgt, auf der nur schwer Zweige so zu legen sind, dass sie auch halten! Störche sind aber ausgesprochene Nestbau-Künstler und verstehen ihr Handwerk.

Die Neugründung zeigt aber, dass Störche auch heute noch ohne Hilfe ein Nest bauen können. Dafür gibt es gerade im vergangenen Jahrzehnt zahlreiche Beispiele. Der Hintergrund ist die Bestandserholung insbesondere in den letzten 10 Jahren, die nicht in allen Einzelheiten wirklich erklärbar ist.


Ich interpretiere die Situation so:

Durch die Regeneration der westziehenden Population insbesondere auch in Iberien sind unsere Störche zu fast 50% Westzieher, überwintern in großen Anteilen in Spanien und haben wegen der kürzeren Zugwege deutlich weniger Verluste.

Der Einstieg ins Brutgeschäft hat sich nach vorn verlagert. Es gibt immer mehr zweijährige Brutstörche. Noch vor 20 Jahren kamen Störche erst im Alter von drei bis fünf Jahren ins Heimatgebiet zurück. In diesem Jahr gibt es besonders viele Zweijährige - eine Folge des nachwuchsstarken Jahrganges 2015.
Junge Nichtbrüter verbrachten noch vor 20 Jahren ihre Jugend in Afrika oder dem mediterranen Raum. Heute kommen diese jungen Störche mit den Brutvögeln ins Gebiet, einige bilden "Verlobungspaare" mit Nestbindung, aber ohne Bruterfolg. Andere fallen als Störer an den Nestern auf und der Rest vertreibt sich den Sommer im Trupp mit bis zu 50 Individuen.
Diese Fakten erklären den Ansiedlungsversuch in Meyenfeld, von dem man nur hoffen kann, dass er erfolgreich sein wird!"

Inzwischen wurde am Nest bereits ein zweiter Storch (eine 'Störchin'?) gesichtet, der/die auch Kontakt zu dem Nest aufgenommen hat.

- Viele Meyenfelder Bürgerinnen und Bürger sind gespannt darauf, wie sich das Ganze weiter entwickelt.
Wer sich vielleicht etwas mehr engagieren möchte, wende sich an Frau Thimian-Milz, Im Bleeke 37, e-mail: thimi@htp-tel.de oder Tel. 05131-51915.