Wer war Johannes Kepler?
- Eine Artikelreihe anlässlich des 40jährigen Bestehens des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Garbsen bei Hannover -
Garbsen, 2.10.2008

Inhalt:
1. Die Jugendzeit - Niedergang einer Familie
2. Das Weltgeheimnis - Die Idee mit den platonischen Körpern
3. Kepler und das heliozentrische Weltbild
4. Das erste Gesetz: Ende der Keisbahn
5. Das Gesetz von der Planetengeschwindigkeit  (in Arbeit)
6. Das dritte Gesetz des Johannes Kepler


Teil 1:
Die Jugendzeit - Niedergang einer Familie
- von Schüler/innen des Johannes-Kepler-Gymnasiums -

Garbsen, 30.9.08 – In diesem Jahr besteht das Johannes-Kepler-Gymnasium in Garbsen seit 40 Jahren. Grund genug, einmal innezuhalten und sich im Rahmen einer Projektwoche sowohl mit der Schule selbst, ihrer Entstehung und mit ihrem Namenspatron zu befassen.
Über einiges werden wir Sie, wie gewohnt, hier im LeineBlick informieren. Wir beginnen mit einer Folge über Johannes Kepler, in der wir seine Bedeutung als Astronom, Physiker und Philosoph aufzeigen wollen. 
Längerfristig werden Sie alle Projekt-Artikel finden unter: kepler.leine-blick.de (ohne www.).

Johannes Kepler wurde am 27.12.1571 in Weil der Stadt geboren. Er wuchs in ärmlichen, zerrütteten Verhältnissen auf und erlangte mit 22 Jahren eine Anstellung als Lehrer in Graz. Er verhalf nicht nur dem heliozentrischen Weltbild des Nikolaus Kopernikus' zum Durchbruch, sondern war der erste 'moderne' Naturwissenschaftler der Neuzeit, weil er nicht nur den Himmel beobachtete und in schönen Modellen beschrieb, sondern auch begann, nach Ursachen für die Planetenbewegungen zu suchen. Er erfand nicht nur schöne Theorien, sondern glich diese auch immer wieder mit den Beobachtungen ab. Da ihm eigentlich das Rüstzeug für einen sehr guten Mathematiker fehlte, musste er seine Modellvorstellungen immer und immer wieder über den Haufen werfen und von vorne anfangen. Dabei verabschiedete er sich nach und nach von allem, was der damaligen Zeit (und auch ihm selber!) lieb und heilig war – schließlich auch von der Idee, dass sich die Planeten auf Kreisbahnen bewegen…
Das wissenschaftliche Resultat seines Lebens waren die drei "Keplerschen Gesetze"; das letzte formulierte er im Jahre 1618 – rechtzeitig genug, dass schließlich im Jahre 1687 Isaac Newton dazu befähigt wurde, sein Gravitationsgesetz zu veröffentlichen…

Aber beginnen wir von vorne: 
 

Der junge Kepler
Johannes Kepler, geboren in Weil, am 27. Dezember 1571 n. Chr., wuchs zusammen mit seinen sechs Geschwistern bei seinen Großeltern auf. Sein Großvater Sebald stammte, so heißt es, aus einer adeligen Familie und wurde Bürgermeister von Weil. Mit 29 Jahren heiratete er Katharina Müller aus dem nah gelegenen Dorf Marbach. Sie schenkte ihm innerhalb von 22 Jahren 12 Kinder. Die ersten drei Kinder starben früh; Heinrich, Vater von Kepler und somit ältester der lebenden Geschwister, erbte das Haus seiner Eltern. Die ganze "missratene Nachkommenschaft", so Kepler selbst, lebte zusammen gepfercht in dem engen Keplerhaus.
Der ungelernte Heinrich heiratete selbst im Alter von 24 Jahren Katharina Guldenmann, die nach sieben Monaten und zwei Wochen, nach der Verheiratung, Johannes Kepler gebar. Drei Jahre nach der Geburt des zweiten Sohnes zog Heinrich in die Niederlande um dort gegen die protestantischen Aufständischen zu kämpfen, was als schimpflich galt, da die Keplers zu einer der ältesten protestantischen Familien Weil gehörten. Ein Jahr darauf folgte Katharina ihrem Mann und ließ die Kinder in der Obhut der Großeltern. Zwei Jahre später kehrten sie zurück und kauften ein Haus in Leonberg, da sie in Weil nicht gern gesehen waren. Bald darauf zog es Heinrich wieder nach Holland, wo er Gefahr lief erhängt zu werden für ein nicht näher bezeichnetes Verbrechen. 1588 verschwand er der Familie für immer aus den Augen.
Seine Mutter sammelte Kräuter und kochte Tränke, an deren Wirkung sie glaubte. Bereits ihre Ziehmutter war auf dem Scheiterhaufen geendet und Katharina teilte beinahe dasselbe Schicksal.

Von Johannes sechs Geschwistern starben drei bereits sehr früh, zwei wurden ehrenhafte Bürger und sein ihm im Alter nahestehendster Bruder litt an Epilepsie und wurde Opfer des psychopatischen Einschlags in der Familie. Da sich seine Eltern nicht um die Bildung ihrer Kinder bemühten, fehlten Kepler, trotz seiner geistlichen Frühreife, zwei Jahre in der Lateinschule. Diese holte er später nach und trat einem niederen theologischen Seminar bei. Johannes war bei seinen Mitschülern äußerst unbeliebt und fehlte häufig auf Grund seines kränklichen Gemüts.

Er verfasste im Alter von 26 Jahren ein Horoskop, das sämtliche Familienmitglieder (ihn mit eingeschlossen) beinhaltete. Der Bericht des Horoskopes wurde in einem anderen Bericht fortgesetzt. Auf mehreren Seiten beschreibt er schonungslos seine Familie und seine Beziehungen zu Kollegen und Lehrern des Seminars und später der Universität Tübingen. Kepler spricht von sich selbst zu meist in der dritten Person. Er beginnt von seinen Feindschaften zu berichten, nachfolgend, wie seine Freunde zu Feinden wurden. Den Berichten zu entnehmen, hatte der junge Kepler kaum Freundschaften und eine trostlose Kindheit.

Autoren:
Carolin Gentgen
Vanessa Schadenberg
Wolfgang Siebert


Anmerkung zur Schreibweise:
Wenn sich heute jemand, der sich mit dem großen Gelehrten noch nicht näher befasst hat und seinen Namen nach neuer Rechtschreibung zwar richtig, aber dennoch falsch mit Doppel-p, also Johannes Keppler, schriebe, wäre er in gar nicht so schlechter Gesellschaft. Johannes Kepler selbst nahm es nicht so genau und unterschrieb machmal mit Keppler, machmal mit Kheppler oder Khepler. Und manches Mal war er auch Ioannes Keplerus - und eben Johannes Kepler, wie es heute üblich ist.
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2. Teil:
Das Weltgeheimnis
- von Martin Schüler -
Johannes Kepler – schon seit seiner Schulzeit überzeugt von Kopernikus’ Theorie, dass die Sonne der Mittelpunkt des Universums sei – bemühte sich wie dieser den Aufbau des Universums zu erklären. Hierbei kam ihm 1595 eine ganz besondere Idee: seiner Vermutung nach sollte es eine Art Skelett im Weltraum geben, auf dem die Planeten um die Sonne kreisen. Doch wie könnte dieses Skelett aussehen? Seine Idee war es, dass es aus bestimmten symmetrischen Figuren aufgebaut sein könnte. 
Erst vermutete Kepler, dass zwischen den kreisförmigen Planetenbahnen Dreiecke und Vierecke eingebaut seien. Dies erwies sich jedoch schon beim ersten Vergleich mit Messwerten als unmöglich. Keine dieser Figuren stimmte mit den schon gemessenen Abständen zwischen den Planetenbahnen überein. 
Nach weiteren Messungen und Experimenten gelang Kepler eine Skelettkonstruktion, die einigermaßen hinkam:
Er versuchte sich an dreidimensionalen Körpern, bei denen alle Außenflächen identisch sind, ...
...beispielsweise das Tetraeder (Pyramide) aus vier gleichseitigen Dreiecken... 
Das Tetraeder wird von vier gleichseitigen Dreiecken begrenzt. Es hat im Verhältnis zu seiner Oberfläche das kleinste Volumen und standen nach Platon für die Trockenheit oder das Feuer.
oder der Kubus (Würfel) aus sechs Quadraten. 

Das Hexaeder wird von sechs Quadraten begrenzt. Es steht fest auf seiner Grundfläche und symbolisiert nach Platon die stabile Erde.

Die weiteren "platonischen Körper":

Das Oktaeder wird von acht gleichseitigen Dreiecken begrenzt. Es kann frei rotieren, wenn es zwischen zwei gegenüber liegenden Ecken angefaßt wird, und steht für die Luft.
Das Dodekaeder wird von zwölf regelmäßigen Fünfecken begrenzt. Es steht für das Universum, seine Flächen symbolisieren nach Platon die zwölf Tierkreiszeichen.
Das Ikosaeder wird von zwanzig gleichseitigen Dreiecken begrenzt. Es hat im Verhältnis zu seiner Oberfläche das größte Volumen und steht nach Platon für die Feuchtigkeit oder das Wasser.
Diese Körper mit identischen Außenseiten nennt man auch platonische Körper oder reguläre Polyeder.
Insgesamt lassen sich genau fünf platonische Körper konstruieren und es waren damals auch nur sechs Planeten bekannt, dass hieße, dass man jeden Zwischenraum der Planetenbahnen mit einem anderen platonischen Körper füllen könnte. Dies bekam Kepler einigermaßen hin (auch die gemessenen Abstände der Planetenbahnen waren dabei mehr oder weniger korrekt) und beantwortete damit auch die Frage, warum es denn genau sechs (damals bekannte) Planeten gebe und nicht sieben oder einhundertdreizehn.
Ausschnitt aus dem Gesamtmodell, siehe auch das Titelbild
So entstand das Kepler’sche Modell des Universums, welches – wie sich später herausstellte – ein kompletter Irrtum war. Kepler hielt jedoch bis zuletzt an seinem System fest und stellte alle seine weiteren, teilweise großartigen, astrologischen Werke, u. a. die Kepler’schen Gesetze, auf der Basis dieses falschen Modells auf und – kam, oft über Irrwege, dennoch zu richtigen Erkenntnissen. Manchmal können sich Fehler auch ausgleichen!
Johannes Kepler beschrieb dieses "Weltgeheimnis", das "Mysterium Cosmographicum" in seinem ersten Werk. Es erschien 1596 unter dem wohlklingenden Titel: Ein Vorläufer ("Prodromus") kosmographischer Abhandlungen, enthaltend das Weltgeheimnis der wunderbaren Proportionen zwischen den Himmelsbahnen und die wahren natürlichen Gründe für ihre Zahl, Größen und periodischen Bewegungen von Johannes Kepler, Mathematicus der Erlauchten Stände von Steiermark, Tübingen 1596. 

- von Martin Schüler -

Quellen:
- Die Darstellungen – übrigens in allen Artikeln dieser Reihe – folgen denen von Arthur Koestler, Die Nachtwandler, Bern und Stuttgart 1959; z.Zt noch antiquarisch erhältlich als Taschenbuch aus dem Jahre 1980 und 1984. Die Zeichnungen sind der gebundenen Originalausgabe entnommen. 
- Für die GIF-Animationen der platonischen Körper liegt das Copyright bei Rüdiger Appel - Seiner Homepage sind auch die Kommentare zu den Platonischen Körpern entnommen:

www.3quarks.com
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3. Teil:
Kepler und das heliozentrische Weltbild
- von Wolfgang Siebert -
Im Grunde ist es gleichgültig, auf welchen Punkt eine Bewegung bezogen ist. Uns auf der Erde scheint es als zöge die Sonne über das Firmament hinweg. Bei Kopernikus und Kepler und - viel früher, bei den Phythagoreern - steht sie still und die Erde umrundet sie  zusammen mit all den anderen Planeten. 
Heute lassen wir die Sonne mitsamt der Milchstraße durchs Universum sausen… 
Was war es, das Kepler zum heliozentrischen Weltbild hinzog? Was war es, das ihn die Sonne zum Mittelpunkt des Universums erklären ließ?

Für Kepler, der als Astronom an der Schwelle zur Neuzeit stand, waren es religiös- metaphysische, mathematische und auch physikalische Gründe, deren  er sich allerdings wohl nie vollkommen bewusst war. In seinem Mysterium Cosmographicum von 1596 schreibt er (Hervorhebungen von mir):

»Die Sonne in der Mitte der sich bewegenden Sterne, selbst in Ruhe und doch die Quelle der Bewegung, trägt das Bild Gottes, des Vaters und Schöpfers ... Sie verteilt ihre treibende Kraft durch ein Medium. das die sich bewegenden Körper enthält, so wie der Vater durch den Heiligen Geist wirkt.«

Als Erster seiner Zeit spricht Kepler nicht nur hier, sondern immer wieder von einer "Kraft", die die Planeten bewege. Aber noch ist dies, anders als heute, nicht die entscheidende Frage des Problems. Noch geht es um eine möglichst vollkommene Beschreibung der Planetenbewegung und da ist es zunächst einmal einfacher, das Bezugssystem aller Bewegungen der Himmelskörper in die Sonne zu legen. Aber das ist für Kepler gewissermaßen nur ein Nebenprodukt einer viel tieferen Wahrheit die im Wesen der Geometrie überhaupt liege; er schreibt:

»Wozu Worte verlieren? Geometrie war vor der Schöpfung, ist dem Geist Gottes gleich ewig, ist Gott selbst; die Geometrie versah Gott im voraus mit einem Modell der Schöpfung und wurde dem Menschen eingepflanzt, zusammen mit Gottes eigenem Bild - und seinem Geist nicht bloß durch die Augen vermittelt.« 
Mit anderen Worten: Geometrie ist nicht etwas, das der Mensch erst durch Erfahrung kennen lernt, sondern sie ist dem menschlichen Denken ebenso wie Gott und damit auch der Schöpfung schon von vornherein eingepflanzt. 
Philosophen sagen dazu: Geometrie ist nicht a posteriori (= nach der Erfahrung), sondern a priori (= vor aller Erfahrung).

Was folgt daraus?
Wenn auf diese Weise die Geometrie die der Welt (und Gott!) zum Grunde liegende Sprache und Struktur war, so konnte man, so die Überzeugung Keplers und einiger seiner Zeitgenossen, in ihr auch erkennen, wie die Welt aufgebaut sei - und das nur durch Denken, ganz ohne jede Messung und Beobachtung der Natur!

Kepler gehört aber auch zu denen, die dieses Denken zu überwinden halfen.*
Dennoch bleibt es scheinbar unbewusst seine  grundlegenden Überzeugung. Hieriun mögen dann auch die psychologischen Ursachen dafür liegen, dass er bis ans Ende unausgesprochen an der Idee seiner vollkommenen Körper [siehe Teil 2 unserer Reihe] festhielt (freilich 'wider besseres Wissen', d.h. ohne sie je wieder kritisch zu prüfen). Und ganz sicher war es diese Grundüberzeugung, die ihn sich so lange weigern ließ, den Gedanken an die "vollkommenen" Kreisbahnen der Himmelskörper aufzugeben, wie wir noch sehen werden.

Wie andere seiner Zeitgenossen bleibt Johannes Kepler also auch dem Denken seiner Zeit verhaftet. Was ihn aber unterscheidet  und dann letztlich doch über seine Zeit hinaus trieb, war sein ruheloser kritischer Geist, der nicht aufhörte seine eigenen Ergebnisse zu hinterfragen.  Er scheute sich nicht, seine Gedankengebäude, d.h. seine geometrischen Berechnungen mit Messungen zu konfrontieren. Er verschloss nicht die Augen, wenn es auch nur kleine Abweichungen seiner Theorie von den Messergebnissen gab. Er scheute nie alles wieder von vorne neu zu berechnen, "siebzig Mal" wiederholte und varrierte er einen Ansatz, als es um um ein Detail der Marsbahn ging,  jahrelang  – und das alles ohne Taschenrechner oder gar PC...

Da die Geometrie allem, also auch unserem Denken, zugrunde liege, glaubte Kepler, genau wie viele seiner Zeitgenossen, die Natur 'a priori', d.h. durch reines Denken, ohne Zuhilfenahme der Erfahrung, erkennen zu können. - Doch anders als seine Zeitgenossen verschloss er nicht die Augen vor der Tatsache, dass die so gewonnenen Modelle sich immer wieder als falsch erwiesen. – Im Gegenteil, es schien ihm manches Mal fast Vergnügen zu bereiten den Lesern seiner Briefe und Bücher all seine Irrwege auf schonungslose Weise kund zu tun und dabei sich selbst bisweilen obendrein mit Spott zu überziehen.

So bestehen z.B. die umfangreichen 'Anmerkungen' zur zweiten Auflage seines Mysterium Cosmographicum, die 25 Jahre nach der ersten Auflage erschien, aus Kommentaren, die das Geschriebene eigentlich nur noch widerlegen.

So tut er z.B. das neunte Kapitel, das die »Sympathien«  zwischen den fünf festen Körpern und den einzelnen Planeten behandelt, in den Anmerkungen als bloßes »astrologisches Phantasiegebilde« ab. - Kapitel 10 »über den Ursprung der privilegierten Zahlen« bezeichnet er in den Anmerkungen als »leeres Geschwätz«; Kapitel 11 »Betreffend die Stellungen der regulären Körper und den Ursprung des Tierkreises« als »belanglos, falsch und auf unberechtigten Voraussetzungen aufgebaut«. Über Kapitel 17, die Bahn Merkurs betreffend, lautet Keplers Kommentar: »Dies ist keineswegs wahr ... die Beweisführung des ganzen Kapitels ist falsch.«
Dennoch gibt es auch nachdenklichere und aufschlussreichere Passagen: »Wenn meine falschen Zahlen den Tatsachen nahe kamen, dann geschah das aus bloßem Zufall ... Diese Kommentare sind nicht wert, gedruckt zu werden. Indessen bereitet es mir Vergnügen, mich zu erinnern, wie viele Umwege ich machen musste, an wie vielen Mauern ich mich entlang tasten musste in der Finsternis meiner Unwissenheit, bis ich die Tür fand, die in das Licht der Wahrheit hinausführt ... Auf solche Art träumte ich von der Wahrheit.«

Was Kepler zur Erarbeitung seines Weltbildes benötigte, waren also Daten, genaue Messdaten. Es gab nur einen Mann auf der Welt, der ihm diese würde liefern können: Tycho von Brahe, ein Adliger aus Dänemark. Dieser Mann hatte damals bereits 35 Jahre lang den Himmel aufs Genauste beobachtet und alles nieder geschrieben. Dieser Mann hatte genug Geld besessen, sich riesige Instrumente bauen zu lassen, die höchste Genauigkeiten ermöglichten....

(wird fortgesetzt)
 

*) Der letzte, der diesen schönen Träumen ein endgültiges Ende bereitete, war übrigens Immanuel Kant (1724 - 1804) zurück zum Text
Quellenangabe:
Die Darstellungen – übrigens in allen Artikeln dieser Reihe – folgen in wesentlichen Zügen denen von Arthur Koestler: Die Nachtwandler, Bern und Stuttgart 1959; diesem Buch entstammen auch die Zitate.  Antiquarisch ist das Werk z.Zt noch als Taschenbuch aus den Jahren 1980 oder 1984 erhältlich .
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4. Teil:
Das erste Gesetz: Ende der Keisbahn
- von Fabian Döring  -

Im Gegensatz zum „zweiten“ seiner drei Gesetze, welches Johannes Kepler zuerst entdeckt hatte und das sich mit der Umlaufgeschwindigkeit eines Planeten befasst, handelt das Erste Gesetz von Kepler von der Form der Umlaufbahn eines Planeten. 

Johannes Kepler arbeitete mit der Umlaufbahn des Mars, deren Daten er von dem inzwischen verstorbenen Tycho von Brahe hatte und versuchte über viele Jahre hinweg diesem Planeten eine kreisförmige Bahn zuzuordnen, was ihm jedoch immer wieder misslang. 
Schließlich schrieb er: "Die Schlussfolgerung ist ganz einfach, dass die Bahn des Planeten kein Kreis ist – sie buchtet sich an beiden Seiten ein und an beiden einander entgegengesetzten Enden aus. Eine solche Kurve heißt ein Oval. Die Bahn ist kein Kreis, sondern eine ovale Figur.“

Doch diese ovale Bahn ist unglaublich neu für Kepler. "Warum gerade ein Oval?" - In der völligen Symmetrie der Sphären und Kreisen liegt bereits seit zwei Jahrtausenden eine beruhigende Anziehungskraft, die dem Oval fehlt, da es eine willkürliche Form ist Das Oval zerstört den Traum der Harmonie der Sphären, der dem ganzen Unternehmen zugrunde lag. 
Kepler zerstörte also die göttliche Symmetrie, und alles was er dazu zu sagen hatte war, dass er „die Zyklen und Epizykel aus dem Stall der Astronomie ausgemistet und bloß einen einzigen Wagen voll Mist zurückgelassen habe“: sein Oval.

Den Gewohnheiten seiner Zeit folgend fühlte sich Johannes Kepler fast zwanghaft getrieben eine kosmische Daseinsberechtigung für sein Oval finden, und - greift wieder auf die Methode der Epizykel zurück, der er eben erst abgeschworen hatte:


Prinzip der Epizykel: Der Schwerpunkt einer Planetenbahn bewegt sich auf einem Kreis (schwarz). Der Planet selbst bewegt sich wiederum auf einer Kreisbahn um diesen Schwerpunkt herum und ergibt (die rot eingezeichnete) Schleifenbahn.
So entwickelt er schließlich ein Modell, bei dem zwei Ursachen für Bewegungen sich überlagern: der 'Schub' der Sonne auf den Planeten, und eine dem Planeten „innewohnende“ Kraft, die der Kraft der Sonne entgegenwirkt. Die Überlagerung beider Bewegungen ergebe, so Kepler, ein Oval. Dieses Oval habe jedoch die Form eines Eies.
Um die geometrischen Probleme des Eies zu lösen, stellte er wieder viele Berechnungen an, und verwarf sogar zeitweilig sein eigenes unvergängliches zweites Gesetz, was auch nicht half – obwohl er die Lösung schon in den Händen hielt:

Er schrieb einem Freund, dass wenn die Form eine vollkommene Ellipse wäre, sich alle Probleme lösen ließen. Später schrieb er an denselben Freund, die Wahrheit der Form müsse zwischen der Ei- und Kreisform liegen, genau als wäre die Bahn eine vollkommene Ellipse.
Nach einiger Zeit erkannte Kepler dann, dass sich seine Eiform "in Rauch aufgelöst" habe, und er entschloss sich, ganz von vorne anzufangen. Diese Ergebnisse zeigten wieder die Bahnform eines Ovals.
Nach insgesamt sechs Jahren Arbeit hatte er das Geheimnis der Marsbahn erfasst. Er konnte die Art, in der die Entfernung des Planeten von der Sonne variierte mit einer Formel ausdrücken! - Allerdings erkannte er nicht, dass diese Formel die Planetenbahn eindeutig als Ellipse definierte.
Beim Versuch mit dieser Gleichung, der er erst nicht vertraute, die Planetenbahn zu konstruieren, unterlief ihm dann ein Fehler, und er erhielt eine völlig falsche Bahnkurve. So verwarf er diese Gleichung, die er durch Zufall gefunden hatte und die zutrifft, und stellte eine neue auf. Zu guter Letzt wurde ihm bewusst, dass beide Gleichungen das selbe Resultat ergeben: Die Umlaufbahn des Mars ist eine Ellipse!

Johannes Kepler veröffentlichte 1609 die beiden ersten Gesetze in seinem Werk "Astronomia Nova", was soviel wie "Neue Astronomie" bedeutet.
 

Quellenangabe:
Die Darstellungen – übrigens in allen Artikeln dieser Reihe – folgen in wesentlichen Zügen denen von Arthur Koestler:Die Nachtwandler, Bern und Stuttgart 1959; diesem Buch entstammen auch die Zitate.  Antiquarisch ist das Werk z.Zt noch als Taschenbuch aus den Jahren 1980 oder 1984 erhältlich 
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5. Teil:
Das Gesetz von der Planetengeschwindigkeit
(wird noch bearbeitet)

In gleichen Zeiten werden vom Zentralstrahl gleiche Flächen überstrichen:

F1 = F für  t1 =  t2

Ein recht anschauliches Applet dazu findet sich hier.


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6. Teil:
Das dritte Gesetz des Johannes Kepler
- von Schüler/innen des Johannes-Kepler-Gymnasiums -
Schon seit seiner Jugendzeit hatte Kepler nach einer mathematischen Beziehung zwischen der Umlaufzeit eines Planeten und seiner mittleren Entfernung zur Sonne gesucht. Nach etwa zweiundzwanzigjähriger Arbeit wurde er tatsächlich fündig, wobei er die entstandene Lösung ohne Kenntnis des Gravitationsgesetzes nicht mathematisch herleiten konnte. Nur durch hartnäckiges Probieren und ständiges Vergleichen mit den Messdaten Tycho Brahes entdeckte er eine recht komplizierte Gesetzmäßigkeit. Sie lautet:
Der Quotient der Quadrate der Umlaufzeiten zweier verschiedener Planeten ist genau so groß wie der Quotiernt der dritten Potenzen ihrer großen Halbachsen. 

Hier die Achsen einer Ellipse
Oder kurz als Formel notiert:
Diese Beziehung zwischen Umlaufzeit und Sonnenentfernung eines Planeten bildet also den Abschluss der drei Keplerschen Gesetze. Zuletzt sei noch erwähnt, dass sich Kepler der enormen Bedeutung seiner Gesetze, die immerhin den Grundstein der modernen Kosmologie bildeten, nicht im Mindesten bewusst war. Für ihn selber waren seine Ergebnisse nur deshalb wichtig, weil sie ihm halfen seinen eigenen Wunsch nach einer Erforschung der von ihm hochgeschätzten "Gesetzen der himmlischen Harmonien" einen Schritt weit näher zu kommen. Dennoch bilden seine drei Gesetze die (experimentelle) Basis auf der Sir Isaac Newton schließlich seine Gravitationsgesetze formuliert. Insbesondere das dritte Keplergesetz lässt sich in wenigen Schritten aus dem Gravitationsgesetz herleiten.


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