Ärger mit dem Arbeitszeitkonto:
Zusagen zur Rückzahlung
seit Jahren geleisterter Überstunden sind einzuhalten!
Die Lehrer sind sauer
- und man kann es verstehen!
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| Garbsen, 29.4.08 - Seit mindestens zwei Jahrzehnten ist die Arbeitszeit
der Lehrer ständig gestiegen. Besonders jüngere Kollegen leisten
leisten seit einigen Jahren 2 ihrer 26 Unterrichtsstunden unbezahlt - und
dies in Zeiten schulpolitischer Umwälzungen und gestiegener Anforderungen.
Bisher hatten sie das Versprechen, diese Überstunden von ihrem Arbeitszeitkonto zurück zu bekommen. - Der Beginn der Rückzahlung soll nun auf "das (Halb)Jahr vor der Pensionierung" verschoben werden. Viele Kollegen empfinden dies gleich ganz als Streichung der unbezahlten persönlichen Mehrarbeit von mehreren hundert Stunden. - Die Glaubwürdigkeit des Arbeitgebers droht durch diese Maßnahme, sollte sie tatsächlich von der Landesregierung beschlossen werden, auf einen absoluten Nullpunkt abzusinken. Auch um dem vorzubeugen hat die Personalversammlung des Garbsener Johannes- Kepler- Gymnasiums sich heute der Stellungnahme des Schulhauptpersonalrates "zum Entwurf einer Verordnung zur Änderung der Verordnung über die Arbeitszeit der Lehrkräfte an öffentlichen Schulen" angeschlossen und am Schluss noch einen Passus hinzugefügt. Hier der Wortlaut der gesamten Erklärung: |
| Der Schulhauptpersonalrat fordert die Landesregierung auf, die beschlossenen
Änderungen zur Rückzahlung des Arbeitszeitkontos umgehend zurückzunehmen
(...). Der Schulhauptpersonalrat lehnt die generelle Änderung der
Modalitäten der Rückzahlung (...) genauso ab wie das Angebot,
im Einzelfall auf Antrag individuelle Regelungen zuzulassen (...).
Die Landesregierung hat den Lehrerinnen und Lehrern verbindlich zugesagt, dass die unfreiwillig zu erteilenden Mehrarbeitsstunden spätestens nach zehn Jahren zurückgezahlt werden. Die Lehrerinnen und Lehrer sind empört darüber, dass die angesammelten Mehrarbeitsstunden gemäß vorliegender Verordnung erst kurz vor der Pensionierung zurückerstattet werden sollen. Eine 44-jährige Hauptschullehrerin müsste auf die Rückzahlung der Stunden beispielsweise über zwanzig Jahre warten. Die Lehrerinnen und Lehrer haben dem Land Niedersachsen in einer schwierigen Personalsituation über den Berg geholfen. Sie haben dem Land einen unverzinsten Kredit in Höhe von ca. 830 Millionen gegeben. Die Lehrerinnen und Lehrer haben ihren Teil der Abmachung eingehalten. Die Landesregierung muss ihre Zusagen desgleichen einhalten. Ein Wortbruch der Landesregierung wird das Vertrauen der Lehrkräfte in ihre Politik nachhaltig beschädigen. Die Behauptung, Kultusminister und Landesregierung hätten die Entwicklung der Personalsituation nicht absehen können, ist eine Bankrotterklärung der politisch Verantwortlichen. Seit zehn Jahren ist bekannt, dass in diesem Jahr die generelle Rückzahlungsphase beginnt. Der Schulhauptpersonalrat, die Gewerkschaften und Verbände haben den bisherigen Kultusminister und seinen Staatssekretär mehrfach auf das Problem deutlich angesprochen. Die exakten Zahlen liegen dem Ministerium vor. Die politische Spitze des MK hat das Problem aus Unfähigkeit oder bewusst verschleppt. So oder so, die Lehrerinnen und Lehrer sind nicht bereit, für Versäumnisse, die sie nicht zu verantworten haben, gerade zu stehen. Der Schulhauptpersonalrat kritisiert scharf die Art und Weise, wie Frau Ministerin Heister- Neumann versucht, die geplanten Änderungen durchzusetzen. Anstatt zuerst ein Gespräch mit den Betroffenen in der Sache zu suchen, droht die Ministerin mit einer generellen Erhöhung der Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer, nachdem Gewerkschaften und Verbände ihre Ablehnung deutlich gemacht haben. Die Behauptung der Ministerin, sie habe bereits vor der Befassung des Kabinetts die Interessenvertretungen der Lehrerinnen und Lehrer einbezogen, ist irreführend (Brief der Ministerin an die niedersächsischen Lehrerinnen und Lehrern vom 16. April 2008). Den Interessenvertretern wurde bei dem Treffen nur mitgeteilt, dass die Regierung die Verordnung ändern wird. Der Schulhauptpersonalrat fordert:
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| Die Personalversammlung des Johannes- Kepler- Gymnasiums schließt sich dem Schreiben des Hauptpersonalrates an und betont, dass die Demotivierung der Kolleginnen und Kollegen ein bereits nicht zu übertreffendes Maß erreicht hat und warnt eindringlich vor einer Erhöhung der Arbeitszeit zur Sicherstellung der Unterrichtsversorgung. |
Bildung in Deutschland 'ganz oben'?:
Die Lehrer sind sauer - und man kann es verstehen!
- von Gilda
Siebert -
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| Garbsen, 6.5.2008 Seit heute Vormittag hängt am Gebäude
des Johannes- Kepler- Gymnasiums ein Transparent: "29.140 unbezahlte Überstunden
im Schulzentrum I".
- Man mag es kaum glauben. Aber seit 1998 gibt es eine Vereinbarung zwischen dem Kultusministerium, dass Lehrerinnen und Lehrer, die unter 50 Jahre alt sind, 'vorübergehend' pro Woche zwei Stunden mehr unterrichten. Diese Mehrarbeit sollte nicht bezahlt, sondern ab 2008 als Freizeit nach und nach zurück gegeben werden. Daraus wird nun nichts, wenn die Vorstellungen der neuen Kultusministerin Heister- Neumann (CDU) Bestand haben sollten. Die Lehrer werden auf das letzte Jahr vor ihrer Pensionierung vertröstet. Wer bedenkt, dass zwei zusätzliche Unterrichtsstunden zum Beispiel am Gymnasium mit Vorbereitungen und Korrekturen etwa 4 Stunden Mehrarbeit bedeuten, wer als engagierte Mutter oder Vater vielleicht ein wenig mitbekommen hat, welche Umwälzungen in den letzten Jahren in der Schule vonstatten gingen: abrupte Abschaffung der Orientierungsstufe, Sonderlehrpläne, Zentralabitur mit fünf statt vier Prüfungsfächern, Verkürzung der gymnasialen Schulzeit auf 12 Jahre, für den Übergang "Curriculare Empfehlungen", die die Lehrpläne ersetzen sollten, nunmehr "Curriculare Vorgaben", "Standards", Lernstandserhebungen, immer wieder geänderte Schulbücher, größere Klassen, größere Kurse, Umorganisation der Schule, Schulvorstand, Ganztagsschule usw, usw. wer sich ein wenig dafür interessieret, wird allein die Mehrarbeit von 4 Wochentunden für eine Zumutung halten; - dass sie nun obendrein auch nicht, wie vereinbart, ausgeglichen wird, - darüber mag sich der Leser ein eigenes Urteil bilden. Die Rahmenbedingungen, unter denen diese Mehrarbeit stattfindet, sind darüber hinaus miserabel. Die Menschen, die dies alles leisten sollen, gut leisten sollen, denn es geht um die Zukunft unserer Kinder, müssen eine unerschütterliche innere Motivation besitzen, die sich vor allem von Politikeräußerungen nicht beirren lässt: Einst betitelt als "faule Säcke", misstrauisch beäugt von vielen Eltern, lassen sie mit stoischer Ruhe süffisante Bemerkungen über sich ergehen, sehen sich ständig einem Heer von "Experten" gegenüber, die alle theoretisch zu wissen glauben, wie Schule und Unterricht zu sein hätten. Diese, unsere Lehrer dürfen sich kein bisschen negativ von all dem beeinflussen lassen. Sie tun es auch nicht, denn die ihnen anvertrauten jungen Menschen und die damit verbundene Aufgabe, ist ganz entgegen allgemeiner gesellschaftlicher Ansicht, dass "Kinder nur Arbeit machen", es wert, einiges zu ertragen. Diese Erziehungsaufgabe, die in unserer Gesellschaft kaum jemand noch tun will, scheint mir wichtiger als z.B. ein Kultusministerium zu leiten, und sie ist allemal wichtiger als im Wahlkampf auf Stimmenfang zu gehen und sich mit unüberlegten, flotten Sprüchen beim Wähler einschmeicheln zu wollen. So haben es die Lehrer hingenommen, dass ihre Reallöhne seit Jahrzehnten sinken, die Arbeit immer mehr wird und sie, man höre und staune, nun noch nicht einmal mehr ihr häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen können ganz so als gäbe es keine Unterrichtsvorbereitungen und keine Korrekturen! |
| Wie lange wird das noch gut gehen? Die Stimmung unter den Lehrerinnen
und Lehrern ist schlecht, viele junge Kollegen bewältigen ihre Arbeit
nur noch als Teilzeitbeschäftigte und schauen, ob sie anderswo unter
kommen können. In den Naturwissenschaften und anderen Fächern,
die auf dem Arbeitsmarkt stärker nachgefragt werden, gibt es bald
nicht mehr genug Nachwuchs. "Das Vertrauen in unseren Arbeitgeber ist nachhaltig
erschüttert", heißt es im Beschluss eines Kollegiums, das erwägt,
vorläufig keine 'freiwilligen' Schulveranstaltungen mehr durchzuführen
Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass die "soziale Ader" wie so
oft in der Vergangenheit dieses Ansinnen konterkarieren wird die Luft
ist langsam raus. "Es geht nicht mehr anders", so ein Pädagoge kürzlich
im Elterngespräch.
Mit Leistungsträgern geht man meiner Meinung nach anders um: Man muss sie nicht lieben, aber Zusagen sind einzuhalten, das ist das Mindeste! |
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Mutter zweier Schulkinder der 8. Klasse |