Erste Theateraufführung der 7lmk:
Der kleine Prinz
 
Ich habe den großen Leuten mein Meisterwerk gezeigt und sie gefragt, ob ihnen meine Zeichnung nicht Angst mache. Sie haben geantwortet: "Warum sollen wir vor einem Hut Angst haben?" Meine Zeichnung stellte aber keinen Hut dar. Sie stellte eine Riesenschlange dar, die einen Elefanten verdaut. Ich habe dann das Innere der Boa gezeichnet, um es den großen Leuten deutlich zu machen. Sie brauchen ja immer Erklärungen. 
Hier meine Zeichnung Nr. 2:
Ich blieb also allein, ohne jemanden, mit dem ich wirklich hätte sprechen können, bis ich vor sechs Jahren einmal eine Panne in der Wüste Sahara hatte:
Ihr könnt euch daher meine Überraschung vorstellen, als bei Tagesanbruch eine seltsame kleine Stimme mich weckte: "Bitte... zeichne mir ein Schaf!" - " Wie bitte?" - "Zeichne mir ein Schaf."
Ich brauchte lange Zeit, um zu verstehen, woher er kam. Der kleine Prinz, der viele Fragen an mich richtete, schien die meinen nie zu hören. ...
...Da ging mir ein Licht auf über das Geheimnis seiner Anwesenheit und ich fragte hastig: "Du kommst also von einem anderen Planeten?" ...
... Aber auf deinem so kleinen Planeten genügte es, den Sessel um einige Schritte weiterzurücken. Und du erlebtest die Dämmerung, so oft du es wünschtest...
"An einem Tag habe ich die Sonne dreiundvierzigmal untergehen sehn!" Und ein wenig später fügtest du hinzu: "Du weißt doch, wenn man recht traurig ist, liebt man die Sonnenuntergänge..."
Wenn ein Schaf Sträucher frisst, so frisst es doch auch die Blumen?" - "Ein Schaf frisst alles, was ihm vors Maul kommt." - "Auch die Blumen, die Dornen haben?"
"Ja. Auch die Blumen, die Dornen haben." - "Wozu haben sie dann die Dornen?"
Da konnte der kleine Prinz seine Bewunderung nicht mehr verhalten: "Wie schön Sie sind!" - "Nicht wahr?", antwortete sanft die Blume. "Und ich bin zugleich mit der Sonne geboren..." Der kleine Prinz erriet wohl, dass sie nicht allzu bescheiden war, aber sie war so rührend! "Ich glaube, es ist Zeit zum Frühstücken", hatte sie bald hinzugefügt, "hätten Sie die Güte, an mich zu denken?" - Und völlig verwirrt hatte der kleine Prinz eine Gießkanne mit frischem Wasser geholt und die Blume bedient.
"Sie duftete und glühte für mich. Ich hätte niemals fliehen sollen! Ich hätte hinter all den armseligen Schlichen Ihre Zärtlichkeit erraten sollen. Die Blumen sind so widerspruchsvoll! Aber ich war zu jung, um sie lieben zu können." ... "Adieu", wiederholte er. Die Blume hustete. Aber das kam nicht von der Erkältung.»Ich bin dumm gewesen", sagte sie endlich zu ihm. "Ich bitte dich um Verzeihung. Versuche, glücklich zu sein."

"Ah! Sieh da, ein Untertan", rief der König, als er den kleinen Prinzen sah:
Komm naher, dass ich dich besser sehe", sagte der König und war ganz stolz, dass er endlich für jemanden König war....
"Darf ich mich setzen?", fragte schüchtern der kleine Prinz. "Ich befehle dir, dich zu setzen", antwortete der König und zog einen Zipfel seines Hermelinmantels majestätisch an sich heran. - Aber der kleine Prinz staunte. Der Planet war winzig klein. Worüber konnte der König wohl herrschen?
 "...verzeiht mir, daß ich Euch frage..." - "Ich befehle dir, mich zu fragen", beeilte
sich der König zu sagen. - "Herr... worüber herrscht Ihr?" - "Über alles",  antwortete der König mit großer Einfachheit."Über alles?" - "Richtig. Man muss von jedem fordern, was er leisten kann", antwortete der König. "Die Autorität beruht vor allem auf der Vernunft."...
"Deinen Sonnenuntergang wirst du haben. Ich werde ihn befehlen. Aber in
meiner Herrscherweisheit werde ich warten, bis die Bedingungen dafür günstig
sind."
"Ah, ah, schau, schau, ein Bewunderer kommt zu Besuch!" rief der Eitle von
weitem, sobald er des kleinen Prinzen ansichtig wurde.
Denn für die Eitlen sind die anderen Leute Bewunderer. "Guten Tag", sagte der kleine Prinz, "Sie haben einen spaßigen Hut auf." - "Der ist zum Grüßen", antwortete ihm der Eitle. "Er ist zum Grüßen, wenn man mir zujauchzt. Unglücklicherweise kommt hier niemand vorbei."

Den nächsten Planeten bewohnte ein Säufer. Dieser Besuch war sehr kurz, aber
er tauchte den kleinen Prinzen in eine tiefe Schwermut. 
"Warum trinkst du?" fragte ihn der kleine Prinz. "Um zu vergessen", antwortete der Säufer. "Um was zu vergessen?", erkundigte sich der kleine Prinz, der ihn schon bedauerte. "Um zu vergessen, daß ich mich schäme", gestand der Säufer und senkte den Kopf. 
Auf der Erde erschien der Fuchs: 
"Ich bin da", sagte die Stimme, "unter dem Apfelbaum..." - "Wer bist du?", sagte der kleine Prinz. "Du bist sehr hübsch..." - "Ich bin ein Fuchs", sagte der Fuchs. "»Komm und spiel mit mir", schlug ihm der kleine Prinz vor. "Ich bin so traurig..." - "Ich kann nicht mit dir spielen", sagte der Fuchs. "Ich bin noch nicht gezähmt!" ...
"Was heißt 'zähmen'?" - "Das ist eine in Vergessenheit geratene Sache", sagte der Fuchs. "Es bedeutet: sich 'vertraut machen'."
"Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.", wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken. "Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig."
"Die Zeit, die ich für meine Rose verloren habe ...", sagte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

"Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen", sagte der Fuchs. "Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.
Du bist für deine Rose verantwortlich ..."

"Ich bin für meine Rose verantwortlich ...", wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.


 Der Geograph
"Was ist das, ein Geograph?" - "Das ist ein Gelehrter, der weiß, wo sich die Meere, die Ströme, die Städte, die
Berge und die Wüsten befinden." ... - "Er ist sehr schön, Euer Planet. Gibt es
da auch Ozeane?" -  "Das kann ich nicht wissen", sagte der Geograph. "Ach!"  Der kleine Prinz war enttäuscht. "Und Berge?" - "Das kann ich auch nicht wissen", sagte der Geograph. "Aber ihr seid Geograph!" ... - "Richtig", sagte der Geograph, "aber ich bin nicht Forscher. Es fehlt uns gänzlich an Forschern. Nicht der Geograph geht die Städte, die Ströme, die Berge, die Meere, die Ozeane und die Wüsten zählen. Der Geograph ist zu wichtig, um herumzustreunen."

"Oh, bei mir zu Hause", sagte der kleine Prinz, "ist nicht viel los, da ist es ganz
klein. Ich habe drei Vulkane.... Ich habe auch eine Blume." - "Wir schreiben Blumen nicht auf", sagte der Geograph. "Warum das? Sie sind das Schönste!" -
"Weil Blumen vergänglich sind. ... Es ist sehr selten, dass ein Berg seinen Platz wechselt. Es ist sehr selten, dass ein Ozean seine Wasser ausleert. Wir schreiben die ewigen Dinge auf."
Meine Blume ist vergänglich, sagte sich der kleine Prinz, und sie hat nur vier
Dornen, um sich gegen die Welt zu wehren! Und ich habe sie ganz allein zu Hause zurückgelassen!

Der Weichensteller:
"Ich sortiere die Reisenden nach Tausenderpaketen", sagte der Weichensteller. "Ich schicke die Züge, die sie
fortbringen, bald nach rechts, bald nach links."...
"Waren sie nicht zufrieden dort, wo sie waren?" - "Man ist nicht zufrieden dort, wo man ist", sagte der Weichensteller. 
Und es rollte der Donner eines dritten funkelnden Schnellzuges vorbei.
"Verfolgen diese die ersten Reisenden?", fragte der kleine Prinz. - "Sie verfolgen gar nichts", sagte der Weichensteller. "Sie schlafen da drinnen oder sie gähnen auch."
Die Schlange
 "Ich frage mich", sagte der kleine Prinz,, "ob die Sterne leuchten, damit jeder eines Tages den seinen wiederfinden kann. Schau meinen Planeten an. Er steht gerade über uns... Aber wie weit ist er fort!" - "Er ist schön«, sagte die Schlange. "Was willst Du hier machen?" - "Ich habe Schwierigkeiten mit einer Blume", sagte der kleine Prinz. "Ah!" sagte die Schlange. Und sie schwiegen. 
..."Aber ich bin mächtiger als der Finger eines Königs", sagte die Schlange.
Der kleine Prinz mußte lächeln. "Du bist nicht sehr mächtig ... Du hast nicht einmal Füße ... Du kannst nicht einmal reisen ..." - "Ich kann Dich weiter bringen als ein Schiff", sagte die Schlange. Sie rollte sich um den Knöchel des kleinen Prinzen wie ein goldenes Armband. "Wen ich berühre, den gebe ich der Erde
zurück, aus der er hervorgegangen ist", sagte sie noch. "Aber Du bist rein, du
kommst von einem Stern..." Der keine Prinz antwortete nichts. "Du tust mir leid auf dieser Erde aus Granit, du, der du so schwach bist. Ich kann dir eines Tages helfen, wenn Du dich zu sehr nach Deinem Planeten sehnst. Ich kann ..."
"Oh, ich habe sehr gut verstanden", sagte der kleine Prinz...

 
 

... Und so gelangte der keine Prinz dann schließlich doch noch zurück zu seiner Blume, die ihn sehnsüchtig erwartet hatte.


 
 
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Die Textazszüge stammen aus:
Antoine de Saint-Exupéry: Der Kleine Prinz 
Rauch-Verlag 

(ISBN 3-7920-0027-X)
Originalausgabe: 
Le Petit Prince, New York 1943

Erhältlich für nur 5 Euro in jeder Buchhandlung, oder z.B. bei Amazon

 

 
 
 
 
 
 

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