Berichte aus Laos


Aus dem Archiv des LeineBlicks Okt/Nov.Dez. 2005
Rubrik: Essay-Reportage-Dichtung

Inhalt:
Ein neuer Lebenspuls
Bewahre dein Lächeln!
Das Boatracing Festival...
That Luang Festival
Ausflug nach Van Vieng



Erste Eindrücke:
Ein neuer Lebenspuls
-  von Deborah Lambertus  -
Deborah Lambertus (19) stammt aus dem Landkreis Leer und ist schon seit einigen Jahren an der südostasiatischen Kultur interessiert. Sie ist der Überzeugung, dass man Menschen aus einem anderen Kulturkreis nur dann wirklich kennen und verstehen lernt, "wenn man mindestens ein Jahr lang zusammen mit ihnen gelebt, und z.B. ihr Essen gegessen und ihre einheimischen Verkehrsmittel benutzt hat", wie sie schreibt. So hat sie - folgerichtig - gleich nach ihrem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr begonnen und ist in Vientiane, der Hautstadt von Laos, an einem lao-finnischen College gelandet. Dort arbeitet sie als Volontaire in den bereichen Musik und Sport.
Die Leserinnen und Leser des LeineBlick dürfen sich in die kommenden Wochen auf  regelmäßige Berichte aus Laos freuen. Hier ist der erste:
 
Auf dem Flughafen in Vientiane schlägt einem eine feucht- warme Hitze entgegen. "Wie eine Badewanne", ist mein erster Gedanke. Aber nach dem ersten Schock gewöhne  ich mich recht schnell an die Temperatur und kann nachvollziehen, warum die Beamten beim ‚Visa-on-arrival’-Schalter den Strom der Touristen gelassen und in unbeirrbarer Ruhe angehen.
Ich bin nun (Anfang Oktober) seit zwei Monaten hier und spüre diesen entspannteren Lebenspuls selbst in der Hauptstadt an vielen Stellen. Nicht umsonst spricht man im täglichen Englisch von Vientiane als ‚town’ und nicht als ‚city’: Am Straßenrand oder auf dem Markt - Menschen, die mit hochgelegten Beinen unter einem umfunktionierten Regenschirm dösen oder sich gemütlich mit Freunden unterhalten während sie ein paar Früchte zubereiten...
So langsam greift diese Lebensart auch auf mich über, denn in dem College, an dem ich arbeiten werde, hat das Semester noch nicht begonnen und mir bleibt viel freie Zeit...

Soweit man freundlich auf die Laoten zugeht, sie in ihrer Sprache begrüßt (‚Sabeidii’) und Offenheit zeigt, kann man leicht eine lange und herzliche Konversation entfachen, sei es mit dem Tuktuk- Fahrer oder dem Weinhändler. 

Das Tuktuk dient als universelles und günstiges Transportmittel für Händler mit ihren Waren, Familien auf dem Rückweg vom Markt oder Touristen; für Gepäck ist auf dem Dach Platz.
Auf dem Markt ist das Feilschen um Preise angesagt, besonders, wenn der Kunde offensichtlich ein ‚Falang’ (‚Franzose’, ein aus der Kolonialzeit stammendes Wort für praktisch jeden Ausländer) ist.
Farbenreiche Stoffe aus Seide und Baumwolle finden ihre Perfektion in der Verarbeitung zu einem laotischen Wickelrock, der zu festlichen Anlässen oder auch als schicke Kleidung im Büro getragen wird. Der ‚Morgenmarkt’ bietet hier eine reiche Auswahl und ist der Magnetpunkt der Touristenströme. 
 Die beiden Frauen auf diesem Foto sind Sekretärinnen des Quest Colleges, mit denen ich mich angefreundet habe, was allgemein auch nicht schwierig ist, da die Laoten wirklich sehr freundlich und warmherzig sind.
.Auf dem Markt ist das Feilschen um Preise angesagt, besonders, wenn der Kunde offensichtlich ein ‚Falang’ (‚Franzose’, ein aus der Kolonialzeit stammendes Wort für praktisch jeden Ausländer) ist.
Farbenreiche Stoffe aus Seide und Baumwolle finden ihre Perfektion in der Verarbeitung zu einem laotischen Wickelrock, der zu festlichen Anlässen oder auch als schicke Kleidung im Büro getragen wird. Der ‚Morgenmarkt’ bietet hier eine reiche Auswahl und ist der Magnetpunkt der Touristenströme. 
Die beiden Frauen auf diesem Foto sind Sekretärinnen des Quest Colleges, mit denen ich mich angefreundet habe, was allgemein auch nicht schwierig ist, da die Laoten wirklich sehr freundlich und warmherzig sind.
Laoten achten besonders darauf, sich wenig schmutzig zu machen, ein Versuch, der schon an der subtropischen Regenzeit und dem roten aufgewühlten Sand scheitert. Man ist bemüht, sich in jedem Bereich so gut es geht zu verbessern und gute Lebensstandards zu schaffen, zum Beispiel sind hier in der Stadt keine Slums anzufinden, eine Tatsache, auf die man stolz ist. 
Unter den Jugendlichen ist es verbreitet, eine Honda- Maschine zu besitzen, die die üblichen Mopeds überholt und für Rennen geeignet ist. Dass Laos praktisch keine Geschwindigkeitsbegrenzungen hat, muss man ja ausnutzen... - Allerdings muss hinzugefügt werden, dass sich der alltägliche Verkehr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30km/h bewegt. Vor allem Mopeds füllen die Straßen. Tuktuks, Autos, einige Busse und Fahrräder stellen den Rest dar. Praktisch ohne Regeln außer dem Rechtsfahrgebot und Ampeln schlängelt sich der Verkehr die Straßen hinunter, faszinierenderweise renkt sich jede Situation irgendwie ein und solange man sich aufmerksam verhält, kann man sich sogar als Deutsche auf diesen Straßen sicher fühlen. Wie gesagt, so langsam spüre ich den Lebenspuls dieser Menschen, selbst in mir. 

Eindrücke aus Laos:
Bewahre dein Lächeln!
- von Deborah Lambertus -
Dieses Mal muss ich eine Begebenheit erzählen. 
Durch die Sonneneinstrahlung sind die Fahrradreifen von meinem Mountainbike porös und mürbe geworden; schließlich endete alles im ‚Platten'. Es ist keine Luft mehr im Reifen. 
Es ist schon Abend und die Nacht überrascht einen hier immer um ungefähr sechs Uhr, wenn es innerhalb von zwanzig Minuten stockdunkel wird. Um diese Zeit sitzen die Inhaber von Fahrradwerkstätten auch lieber mit Freunden zusammen und trinken ein ‚Beerlao' als sich noch weiter um die Arbeit zu kümmern. 

· Beerlao: Die einzige Biermarke Laos\', dafür aber heiß geliebt
In dem nächsten Laden, in dem ich wegen Reparatur nachfrage, treffe ich dann unverhofft auf eine der hilfsbereiten Laoten, die sich um das Rad kümmert, mich zum Essen einlädt und die Worte nur so heraussprudelt, froh, dass sie endlich jemand gefunden hat, mit dem sie ihr Englisch praktizieren kann. 

Überraschend positive Situationen wie diese erlebt man in Laos häufig und man wird jedes Mal dafür belohnt, wenn man seinen Missmut nicht äußert (wie die Menschen aus den westlichen Kulturkreisen so oft tun), sondern weiter herzlich bleibt. 
Laoten handhaben Problemsituationen anders, als Europäer es tun. Wir wollen das Problem lösen - Laoten akzeptieren das Problem. Charakteristisch ist das ‚boh phen nyang', was soviel wie ‚macht nichts' oder ‚naja' und ein Schulterzucken heißt. 

"Wie kommst du nach Hause?", werde ich gefragt. "Tuk-tuk". Dieses laute und urige Taxi ist die einzige Möglichkeit. "Wo wohnst du denn?" - Baan Pannmann, Stadtteil Pannmann. Straßennamen gibt es sowieso nicht. Geschweige denn Hausnummern. "Meine Schwester nimmt dich mit, sie möchte da einen Freund besuchen!" 
Zu meiner Überraschung hat NOIs Schwester ein Auto; fast jeder Laote fährt stolz seine Honda und der Verkehr Vientianes besteht hauptsächlich aus Mopeds. 

Da ich meinen Abend noch nicht weiter geplant hatte, beschließen wir, ihn zusammen mit ihren anderen Freunden in einem typischen Café-Restaurant zu verbringen.

Dieses Restaurant steht auf Stelzen in einem Teich und ist ein Treffpunkt für alle, die sich bei thailändischer Musik und bunten Lichtern im großen Kreis ihrer Freunde ein Bier schmecken lassen. Einer bestellt Papaya-Salat und süß-sauer gewürztes Geflügelfleisch, ein anderer kümmert sich um die Getränke und den obligatorischen Eimer voller Eiswürfel. Man füllt das Glas bis oben mit Eiswürfeln und gießt den Limonensaft darüber. 

Die Toiletten hier ähneln den Plumpsklos, und die Wände sind dicht mit Fliegen besetzt. Das Toilettenpapier muss man sich natürlich vorher vom Tresen mitnehmen. 

Der platte Reifen hat sich gelohnt. Jeder in der Runde möchte etwas von der ‚jaleman' (‚Deutschen') wissen und sein/ihr Englisch ausprobieren oder mir neue Worte in Lao beibringen und etwas über die Kultur hier erzählen. 
 

Der Rat, der mir gegeben worden ist, war ein guter: 
ALLES mit einem Lächeln nehmen - und nicht nur ein aufgesetztes… 


 
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Bericht aus Laos:
Das Boatracing Festival...
- von Deborah Lambertus -
… fand hier in Vientiane (der Hauptstadt von Laos) vor zwei Wochen am Mekong statt. 

Am Abend vor dem eigentlichen Fest wurden kleine Schiffchen mit einem Kerzenlicht auf den Mekong gesetzt und flussabwärts fahren gelassen. Viele in Vientiane kamen zum Fluss um dieses Zeremoniell abzuhalten und sich die Lichter anzugucken. Einer Sage nach lebt ein Drache im Mekong, zu dessen Ehren der Fluss einmal im Jahr mit vielen winzigen Lichtern geschmückt wird. Circa 100 Kilometer von Vientiane entfernt steigen allerdings wirklich so genannte Feuerbälle aus dem Wasser; ein Naturphänomen, das selbst Wissenschaftlern bisher unergründlich geblieben ist. 


Nach dem Wettkampf präsentieren sich die Drachenboote den Zuschauern
Das Drachenbootrennen ist eins der großen Feste in Laos und findet zeitversetzt in den Städten am Mekong statt, jeweils eine Woche lang in jeder Provinz. Praktisch jeder kann am dem Wettrudern teilnehmen; es passen ungefähr 50 Personen in ein Boot und alle 15 Minuten starten zwei Mannschaften den Wettkampf gegeneinander. Die vorgegebene Strecke dauert weniger als 3 Minuten und verlangt von jedem Mitkämpfer eine große Konzentration der Kräfte auf diesen ‚Sprint'. Nachdem die Ziellinie passiert ist, verbeugt sich die Mannschaft vor dem Publikum. Diese ehrerbietende Haltung gegenüber dem Mitmenschen kann allgemein jeden Tag beobachtet werden, sei es bei der Begrüßung oder am Marktstand.

Marktstände am Mekongufer: ein großer Sonnenschirm schützt vor der Hitze und vor dem Braunwerden…
Das Drachenbootrennen ist eins der großen Feste in Laos und findet zeitversetzt in den Städten am Mekong statt, jeweils eine Woche lang in jeder Provinz. Praktisch jeder kann am dem Wettrudern teilnehmen; es passen ungefähr 50 Personen in ein Boot und alle 15 Minuten starten zwei Mannschaften den Wettkampf gegeneinander. Die vorgegebene Strecke dauert weniger als 3 Minuten und verlangt von jedem Mitkämpfer eine große Konzentration der Kräfte auf diesen ‚Sprint'. Nachdem die Ziellinie passiert ist, verbeugt sich die Mannschaft vor dem Publikum. Diese ehrerbietende Haltung gegenüber dem Mitmenschen kann allgemein jeden Tag beobachtet werden, sei es bei der Begrüßung oder am Marktstand. 

Konzert: ein junger Sänger aus Thailand vor seinen laotischen Fans
Überraschenderweise treffen wir (eine Finnin und zwei Franzosen und ich) eine bestuhlte Halle an. Die Vorband entspricht dann auch diesen Erwartungen und liefert unterhaltende Hintergrundmusik. Wie man schon sonst auf Konzerten beobachten konnte, laufen die Lao herum, begrüßen Freunde und telefonieren. Dieser Fakt ist immer noch ungewohnt für uns, auch wenn wir uns hier schon sehr gut eingelebt haben. 
Die Atmosphäre schlägt um, als die eigentliche Band kommt. Die Menschenmasse drängt nach vorne und reduziert ihre Fläche auf ein Drittel der vorherigen. Was uns sprachlos macht, ist die Tatsache, wofür man die Stühle nun verwenden kann: Man stellt sich darauf, meistens zwei Personen auf einen Stuhl, eventuell hält man mit einem Fuß auf einem anderen Stuhl die Balance. Und die zurückhaltenden, kühlen Menschen klatschen und singen mit, springen im Takt (auf den Stühlen) und sind begeistert. Das Mädchen, mit dem ich zusammen auf einem Stuhl stehe, hält sich während des ganzen Konzertes an meiner Schulter fest, ein Zeichen des Vertrauens von ihrer Seite. 
Es ist faszinierend, hier zu stehen und sich die braunen tanzenden Menschen anzugucken. 

 
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Vierter Bericht aus Laos:
That Luang Festival
- von Deborah Lambertus -
That Luang ist das Wahrzeichen Vientianes, ein auf einem Hügel gelegener goldfarben glänzender Tempel und ist zumindest einmal im Jahr eine Pilgerstädte der laotischen Bevölkerung: zur Zeit des That Luang Festivals, das im 11. Monat am Vollmond gefeiert wird. 

Allgemein geben gläubige Buddhisten den Mönchen in ihrem Dorf oder im nächstgelegenen Tempel früh am Morgen, d.h. 5.00 Uhr, Lebensmittel. Die Mönche ziehen durch die Straßen und sammeln die Gaben ein, während die Dorfbewohner auf ihren Knien sitzen, den Kopf gesenkt halten und wegen ihrer Spende um ein gutes Karma bitten. Mönchen ist es nicht erlaubt, selbst Landwirtschaft zu betreiben und so ergibt sich ein Kreislauf, in dem das Dorf für den Unterhalt der Mönche zuständig ist und sich seinerseits Segen erbittet. Der Höhepunkt dieses Rituals ist das That Luang Festival, das der König Setthathirath im 16. Jahrhundert ins Leben rief. Laoten aus allen Provinzen strömen nach Vientiane um im heiligsten Tempel Opfer zu geben, junge Mönche schlafen einmal eine Nacht in diesem Tempel um eine besondere Heiligung zu empfangen und Touristen ist der Zutritt nur in traditioneller Kleidung gestattet. 
Neben dem Tempel befindet sich eine große asphaltierte Fläche, die normalerweise mit Touristenbussen aus Japan zugeparkt ist. Jetzt ist der Tempelplatz zu einem Marktplatz umgestaltet worden. Es reihen sich Stände mit Kleidung und Flip-Flops an ‚Fruchtshakebars' und Tische mit Schmuck oder handgemachten Taschen. Sogar Popcorn gibt es hier, allerdings nicht mit Zucker sondern mit süß-saurem Karamell-Geschmack. 
Als wir ankommen, sind die regulären Parkplätze schon überfüllt. Die Anwohner profitieren davon und räumen ihr Wohnzimmer aus und winken uns herein. Dort stehen schon Motorräder und Fahrräder in drei Reihen. Das Festival scheint ein gutes Geschäft für sie zu sein. 
Die überfüllten Parkflächen zeugen von dem hohen Verkehrsaufkommen in nächster Nähe. Fünf Polizisten stehen auf einer Kreuzung, Trillerpfeifen blasend und mit den Armen winkend. Allgemein stockt der Verkehr nicht stark, man muss nur evtl. ein wenig Geduld mitbringen. Wenn man auf der Ladefläche eines Kleinlasters sitzt, kann man sich ja in der Zwischenzeit mit Passanten unterhalten. 
Auf Sicherheit wird ein sehr großer Wert gelegt, was an sich beruhigend ist. Man wird zweimal abgetastet, Taschen werden durchleuchtet. 

Unser Essen besteht aus Frühlingsrollen, gegrilltem Fleisch mit Tomate, Ananas, Chili und Zwiebeln und ‚kau niau' - klebrigem Reis. 


Studenten
Das ‚Lao International Trade Exhibition and Convention Centre' (ITECC) ist verglichen mit dem That Luang Tempel sehr jung. Und gerade deswegen dient es als zweiter Anziehungspunkt der Menschenmassen; es stellt den Fortschritt und eine sich entwickelnde Wirtschaft dar. Hier sind vier Bühnen aufgebaut und ca. 350 weitere Marktstände befinden sich im nächsten Umkreis. Die Waren sind alle etwas moderner. Besonders junge Menschen verbringen Abende vor den Musikbühnen oder nehmen an Glücksspielen teil, letzteres ist fast ein ‚Nationalsport'. 
Quest College hat einen Stand in dem klimatisierten Gebäude. Manchmal handeln die geschäftsführenden Laoten nach dem Prinzip ‚je kälter, desto besser' und ab und zu muss man nach draußen gehen um sich wieder aufzuwärmen, falls man keine langärmlige Kleidung trägt. 
Unser Stand besteht aus zwei Computern, Plakaten mit dem Kursangebot des Colleges und Postern übersäht mit Fotos von dem letzten Tanzwettbewerb, dem Bandcontest und den Festen mit Studenten und Personal. 
‚Musik zieht Laoten an', erklärt mir Say, ein Kollege, der mich mit Informationen über Kultur, Geographie und laotische Ausdrücke füttert. Dementsprechend hat jeder zweite Aussteller seinen Stand eingerichtet: Von überall her tönt thailändische oder westliche Musik aus den Lautsprechern. Die Melodien vermengen sich und schaffen eine tosende Geräuschkulisse. 

Autogramme
Ich mache die Beobachtung, dass es eine besondere Attraktion ist, wenn Nicht-Laoten Flyer verteilen. Zwei Finnen und ich kommen dieser Aufgabe nach und sehen, dass viele Menschen es interessant finden, mit uns zu reden und ihr Englisch zu praktizieren. Als ich in einer Pause selbst das Markttreiben beobachte und von Stand zu Stand gehe, zeigt ein 3-jähriges Mädchen mit ausgestrecktem Arm auf mich und ruft: ‚Falang ! Mäe, falang !' (‚ein Franzose ! Mama, ein Franzose !' - Alle Nicht-Asiaten sind ‚Franzosen'). 

5. Nationalfeiertag in Laos:
Ausflug nach Van Vieng
- von Deborah Lambertus -
Vor 30 Jahren wurde das heutige Laos am 2. Dezember in Lao PDR (peoples democratic republic) umgetauft. Heute ist dieser Tag der Nationalfeiertag und wir genießen ein langes Wochenende. 
Unser Trip geht nach Van Vieng, das 3 Busstunden nördlich von Vientiane liegt. Wir treffen uns an einer Busstation außerhalb des Stadtkerns und warten auf die anderen. Die meisten Bus- oder Tuktukfahrer fragen uns, wohin wir fahren möchten, nehmen unsere Antwort zur Kenntnis und ziehen sich, zufrieden mit unserem Vorhaben, wieder zurück. Wir beobachten, wie die Dächer der Busse beladen werden, kaufen Papayas und sehen exotische Exemplare der Tuktuks - oder ‚Designertuktuks'. 

An der Bushaltestelle
Mittlerweile ist das Wetter so kühl, dass man morgens einen Pulli überziehen muss. Bis um 5 Minuten vor der Abreise steht nicht fest, welche Leute mitkommen werden. Drei der Laoten haben spontan abgesagt, eine Laotin taucht unverhofft auf. 
Die Busfahrt führt uns durch die faszinierende subtropische Landschaft. 

Ein Stopp in einem der Dörfer ruft die Bewohner aus den Bambushütten hervor; sie preisen uns ihren gerösteten Fisch und die süßen Reissnacks an, eine wirkliche Delikatesse. 

Van Vieng ist ein bildschönes Dorf. Hohe Berge umgeben es wie Wachtposten. Van Vieng ist nur soweit auf Touristen eingestellt, dass es Pizzas, Makkaroni und Sandwiches anbietet und jedes zweite Haus ein ‚guesthouse, welcome'-Schild besitzt. Sonst liegt es im Tiefschlaf; die unberührte Natur lässt kaum auf Tourismus schließen. 

Wir springen erst einmal von einer wackeligen Holzbrücke in den Fluss und lassen uns stromabwärts treiben. Eine Bambushütte am Ufer bietet fruitshakes an und spielt Bob Marley. Irgendwie passt die Musik, so fehl am Platz das ‚Westliche' auch in einem asiatischen Flair klingt. Sonne, Palmen, Paradis. 

Am Abend treffen wir Mitarbeiter des Quest Colleges, die wie wir wissen, dass es sich lohnt, nach Van Vieng zu kommen. Bob Marley spielt immer noch. 
Für Samstag planen wir eine Kajaktour, die den ganzen Tag dauert, weil wir überall anhalten, von Bambus-Sprungtürmen in das klare Wasser springen, Freunde, die am Ufer picknicken treffen oder weil eine ‚Seilbahn', von der aus man sich ins Wasser fallen lassen kann unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. An solchen Stellen mit einer besonderen Attraktion werden nur Chips, Snickers, BierLao und 
Mirinda (die Limonadenmarke) angeboten. Man merkt den asiatischen Stil des ‚wenn die Touristen wirklich kommen wollen, dann reicht ihnen das'. Und das tut es auch. 

Am nächsten Tag klettern wir zu einer Höhle. Unser Vehikel zum Ausgangspunkt ist das Taktak (Landversion des Tuktuks; die jeweiligen Namensgebungen lassen auf das Fahrtgeräusch schließen). Wir fahren durch Reisfelder, die jetzt schon alle abgeerntet sind und durchqueren einen Fluss - der Fahrer zuckt mit keiner Wimper. 
Der englische Wortschatz der Einheimischen ist amüsant. Hier wie in Vientiane erstreckt er sich von ‚hello' (ständig verwendet von Kindern im Vorschulalter) über ‚good morning' (zu jeder Tageszeit) bis zu ‚i love you'. 
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Essay, Reportage und Dichtung im LeineBlick Hannover:
In dieser Rubrik ist sowohl Raum für Ihre Gedanken, Geschichten und Gedichte
als auch für besondere Reportagen, Reiseberichte und Monographieen
Was hier erscheint, hat gute Chancen im Archiv zu überleben; so z.B.:
Reiseberichte aus aller Welt
Berichte aus Afghanistan
(regelmäßig seit September 2001)
Wein-Brevier
Stammzellenforschung
Peter Hübotter
Bauen & Energie
(z.B. Serien zu Passivhaus - Niedrigenrgiehaus, Schimmelpilzbildung u.s.w.)
PC & Internet
650 Jahre Garbsen-Frielingen
Garbsen-Meyenfeld: Chronik & Dorfentwicklung
Serie: Benno - Die Gedanken eines Welsh-Terriers

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