Inhalt:
1967: Am Anfang
stand die Volksschule Planetenring - Die Situation Auf der Horst vor 37
Jahren
2004: Einleitung:
Orientierungsstufen stellen nach 30 Jahren ihre Arbeit ein
1974: Das
Sitzenbleiber-Elend zu verhindern: Gründe für die Einführung
der Orientierungsstufen
1999: 25 Jahre OS
Garbsen - Grundsätze
Das Gutachten, das zur 'Abschaffung' der
OS führte
Aus dem Schulleben:
Historischer Abriss und Quellen
1996: Erster Internetauftritt
einer Orientierungsstufe
2001- 2004: Die
OS Nikolaus Kopernikus im Internet (Auszüge)
Dank, Copyright, Impressum
Die Situation Auf der Horst vor 37 Jahren:
Die Stunde Null - Schulanfang aus der Sicht einer
Lehrerin
- von Karin Leinweber -
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Okt. 1966: 'Volksschule Süd', 1974 - 2004 OS Garbsen/Nikolaus Kopernikus |
| Juli 1967 – mein Versetzungsantrag aus der tiefsten Lüneburger
Heide in den Raum Hannover läuft seit April. Der Schuljahrsbeginn
rückt immer näher, aber die ersehnte Post trifft nicht ein.
Schließlich traue ich mich, bei der Bezirksregierung telefonisch
nachzufragen. „Sie treten am 01.08. Ihren Dienst an der Volksschule
Planetenring in Garbsen an“, erhalte ich zur Antwort. Garbsen?
Noch nie gehört! Wo mag das sein? Nach intensivem Blättern
im Autoatlas machen sich mein Mann und ich auf die Suche, B6 aus Hannover
in Richtung Nienburg, dann links ab nach Marienwerder, ein wunderschöner
Laubwald. Hier soll noch ein größerer Ort sein?
Dann endlich ein Schild – Garbsen!
Wir fragen nach dem Planetenring. Kopfschütteln, Schulter zucken, dann schließlich ein „Ach ja, das könnte da oben in dem neuen Viertel sein!“ Wir suchen weiter, finden einen neuen Stadtteil, viel Beton, kein Grün, schließlich eine breitere Straße, rechts auf weitem Feld eine riesige Baustelle. Betreten verboten! Sieht so eine Schule aus, die in 14 Tagen von Schülern eingenommen werden soll? Wieder eine telefonische Nachfrage bei der Bezirksregierung . „Schulleiter ist Herr Rathmann, setzen Sie sich mit ihm in Verbindung!“ erhalte ich als Antwort. – Herr Rathmann kann auch keine Antwort geben. Aber jetzt weiß ich wenigstens, dass ich am 15.08. um 8 Uhr meinen Dienst auf der Baustelle antreten werde. Am ersten Schulmorgen suchen alle – Lehrer, Schüler, Eltern – den
Schuleingang. Über einen Brettersteg gelangen wir endlich hinein.
Die Klassen im Hauptgebäude können in Betrieb genommen werden.
Alle anderen Gebäudeteile sind mehr oder weniger zugehängt oder
mit Brettern versperrt. In den jetzigen Räumen Biologie 1 bis
21 werden schon seit Frühjahr 67 Realschul- und Sonderschulkinder
unterrichtet.
30 Jahre – eine lange Zeit, in der Schüler, Eltern und Lehrer durch ihre Ideen und ihren Einsatz unsere Schule so geformt haben, wie sie sich heute darstellt. Und sie ist immer noch form- und veränderbar! Ach übrigens, mit Schreiben vom 29.08.1967 erhalte ich den Auftrag, am 15.08.1967 meinen Dienst an der Volksschule Planetenring anzutreten! Karin Leinweber in: Orientierungsstufe Garbsen, JAHRBUCH 1996/97 |
Einleitung:
Orientierungsstufen stellen nach 30 Jahren ihre Arbeit
ein
- von Wolfgang
Siebert -
| Garbsen, 22.6.2004 - Die Abwicklung der Garbsener Orientierungsstufe
Nikolaus Kopernikus verläuft trotz inzwischen stark dezimierter Schulleitung
professionell in diesen Tagen. Die Zeugnisse und Gutachten, die die Empfehlungen
für die weiterführenden Schulen aussprechen, sind längst
ausgeteilt, die Klassenräume werden aufgeräumt und ‚entrümpelt’
und die entliehenen Bücher eingesammelt. - Damit endet in Niedersachsen
auch die Lehrmittelfreiheit.
Bei all dem findet trotz etwas widriger Umstände der Unterricht nach wie vor statt – gilt es doch insbesondere die Schülerinnen und Schüler, deren teilweise einziges Schuljahr, nämlich das fünfte, auf der ‚Ori‘ nun wirklich sehr knapp war, auf steigende Anforderungen an den weiterführenden Schulen vorzubereiten. Doch bei aller Betriebsamkeit ist auch eine gewisse - vereinzelt resignative - Wehmut zu verspüren in einem Kollegium, das bisher mit viel Einsatz und Überzeugung für diese Schule und diese Schulform gearbeitet hat. Lenkt man das Gespräch auf die Anfänge, wird ein pädagogischer Enthusiasmus spürbar, der sich von dem heutigen durchaus unterscheidet. Den Gastkollegen und Autor dieser Zeilen hat dies bewogen einmal 30 Jahre zurückzublicken und zu fragen, was da eigentlich los war, Im ersten Gespräch mit Herrn Helmut Rathmann, einem der beiden
ersten Schulleiter der beiden Orientierungsstufen am Planetenring, fällt
mehrfach das Wort „Sitzenbleiber-Elend“. Zwar entstanden die Integrierte
Gesamtschule (IGS) und die Orientierungsstufe (OS) etwa in der gleichen
pädagogischen Aufbruchstimmung, doch war die Zielsetzung bei der Gründung
der OS vor allem auch pragmatisch:
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Das Sitzenbleiber-Elend zu verhindern:
Gründe für die Einführung der Orientierungsstufen
- von Helmut Rathmann
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| Seit Beginn der 50er Jahre wurde der Übergang von der Grundschule
zu den weiterführenden Schulen durch ein Gutachten der Grundschule
nach dem 4. Schuljahr und einem Probeunterricht an den weiterführenden
Schulen geregelt. Die Dauer des Probeunterrichts wurde mehrfach geändert:
zunächst waren es drei, dann zehn Tage und schließlich eine
Woche.
Schon aus den mehrfachen Änderungen dieser Probezeiten lässt sich schließen, dass die Ergebnisse sowohl für die ‚prüfenden‘ Lehrer als auch für die Eltern und Schüler unbefriedigend waren. Ende der 60er Jahre wurde der Probeunterricht auf die Fälle beschränkt, bei denen nach dem Grundschulzeugnis und dem Gutachten keine eindeutige Entscheidung zu treffen war. Unbefriedigend waren auch die Ergebnisse der immer wechselnden Aufnahmeverfahren. Dies wurde durch damalige Statistiken über die Zahl der „Sitzenbleiber“ bereits im 5. und 6. Schuljahr und über die Schüler, die ihr angestrebtes Bildungsziel auch wirklich erreichten, eindeutig belegt. Diese hohen Versagerquoten und die geringen Chancen für Spätentwickler waren die treibenden Gründe für die Einführung der Orientierungsstufe. Als konkrete Ziele der OS wurden schließlich benannt:
Der schnelle Aufbau der OS in Garbsen lässt sich u.a. als Antwort auf die zuvor erfolgte Gründung der IGS verstehen, die bereits zum Schuljahr 1971/72 ihren Betrieb aufgenommen hatte. Die Erwartungen an diese neue Schulform waren zunächst sehr hoch gewesen: Mehr als 80% aller Schüler wurden von den Eltern nach Klasse 4 zur IGS angemeldet. So kam es, dass die Realschule in Klasse 5 nur noch mit zwei Parallelklassen hatte beginnen können, und es in der Hauptschule gar keine 5. Klasse mehr gab. Bereits im ersten Jahr der IGS zeichnete sich dann aber ab, dass eine
Gesamtschule in dieser Größenordnung nicht praktikabel war
und die anfängliche Euphorie auch bei den Eltern schnell nachließ.
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Grundsätze der Arbeit an der OS:
Ziele der Orientierungsstufe – vor 25 Jahren und heute
- aus dem Jahrbuch zum 25jährigen
Bestehen derOS Nikolaus Kopernikus -
| Die Orientierungsstufe stand und steht seit Beginn ihres Bestehens
vor fast 30 Jahren häufig in der Diskussion und für einige immer
wieder schon kurz vor ihrer Abschaffung.
Häufig in der Diskussion zu stehen sorgt einerseits dafür, die eigene Arbeit ständig kritisch zu überdenken und sich damit den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen, andererseits könnte allen engagierten Kolleginnen und Kollegen dieser Schulform mit der Regelmäßigkeit einer „In-Frage-Stellung“ der Orientierungsstufe die Perspektive ihrer Arbeit genommen werden. Außerdem stellt sich die Frage, ob nicht durch eine permanente Diskussion über das Für und Wider der Orientierungsstufe und der dadurch entstehenden Verunsicherung in der Öffentlic hkeit das Vertrauen der Eltern gegenüber dieser Schulform vermindert, wenn nicht gar zerstört wird. Warum halten wir also an der Orientierungsstufe fest? An dieser Stelle
lohnt es sich, noch einmal an die „gedanklichen Wurzeln“ zur Einführung
der Orientierungsstufe zurückzukehren und aus den „Vorläufigen
Handreichungen für die Orientierungsstufe“ zu zitieren, in denen es
heißt:
Drei wesentliche Ziele waren und sind weiterhin für die heutige Arbeit an unserer Schule, der Orientierungsstufe Garbsen, wichtig:
Trotzdem versuchen wir einen möglichst großen Anteil an Chancengleichheit und Vergleichbarkeit für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten, indem allen das gleiche Lernangebot zur Verfügung steht. So arbeiten (in der Regel) alle 5. bzw. 6. Klassen von Beginn der Orientierungsstufe 1974 bis heute nach für alle Lehrkräfte verbindlichen, in den Fachkonferenzen überarbeiteten und auf die Lerngruppen abgestimmten Lernzielen parallel, so dass in allen Klassen vergleichende Arbeiten (Lernkontrollen) geschrieben werden können. Dieses parallele Arbeiten muss gerade in der Anfangsphase der äußeren Differenzierung (1. Halbjahr der 6. Klasse) in den Fächern Mathematik und Englisch eingehalten werden, um allen „Kurswechslern“ eine Mitarbeit in einem anderen Kurs zu ermöglichen. Letztendlich ist es wichtig, dass allen Schülerinnen und Schülern bis zum Ende der 2-jährigen Orientierungsstufenzeit die gleichen Lerninhalte vermittelt wurden, um hier die Vorraussetzungen für den „chancengleichen“ Übergang in eine der weiterführenden Schulen zu schaffen. Eng verbunden mit den gleichen Voraussetzungen für alle Schülerinnen
und Schüler ist die seit Jahren an unserer Schule bei über 90
% liegende Prognosensicherheit für die Schullaufbahnempfehlungen,
was dazu führt, dass der weitaus größte Teil aller an eine
bestimmte Schule (Hauptschule, Realschule oder Gymnasium) empfohlenen Kinder
den Abschluss dieser Schulform auch erreicht.
So sehr eine Prognosensicherheit von über 90 % unsere Arbeit an der Orientierungsstufe bestätigt und auch einen gewissen Stolz hervorruft, ist die Tendenz zur Nichtbeachtung der Empfehlung in einigen Schuljahren seit Freigabe des Elternwillens im Schuljahr 1978/79 dramatisch gestiegen. Der hier von Eltern verständlicherweise geäußerte Wunsch,
nur „das Beste“ für ihr Kind zu wollen, ist wohl zu verstehen, und
in Fällen, wo die Kriterien für eine Empfehlung nicht in allen
Bereichen eindeutig sind, nachzuvollziehen.
Hier stellt sich die Frage nach dem Sinn einer zuvor erfolgten Elternberatung,
die lt. Vorläufigen Handreichungen „neben der eigenen Entscheidungsfreiheit
des Schülers oder der Schülerin und der Beurteilung durch die
Lehrer während der Orientierungsstufe bei allen wichtigen Schullaufbahnenentscheidungen
erfolgen muss.“
Stellt sich abschließend (doch noch) die Frage: „Was machen wir
heute mit den Zielen von früher?“
Allerdings wurde und wird die Umsetzung dieses Zieles früher und
heute anders angegangen. Während zur Erreichung des Zieles früher
auf die strikte Einhaltung des Zeitplanes zur Erarbeitung eines Lernstoffes
geachtet wurde – und zwar so strikt, dass auf den Tag bzw. auf die Stunde
genau vereinbart wurde, dass z.B. am Dienstag, den ... in der ersten bis
zur vierten Stunde eine Mathematiklernkontrolle in allen Klassen oder Kursen
geschrieben werden musste – ist heute die Umsetzung der für alle verbindlichen
Lernziele einer mehr den individuellen Voraussetzungen einer Lerngruppe
angepassten Arbeitsweise gewichen, so dass der Lehrer oder die Lehrerin
aus der Arbeit in der Klasse oder dem Kurs selbst entscheidet, wann diese
in der Lage ist, einen Lernstoff durch eine entsprechende Überprüfung
abzuschließen. Hierdurch wird zwar die organisatorische Planung einer
Lernkontrolle schwieriger und macht vermehrte Absprachen zwischen den Kolleginnen
und Kollegen erforderlich, man geht aber verstärkt auf die individuellen
Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern ein.
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Das Gutachten, das zur 'Abschaffung' derOS führte...
... finden Sie hier:
Stand
und Perspektiven der Orientierungsstufe in Niedersachsen (PDF-Datei)
Weitere Links zum Thema:
Gutachten
zur Schulreform - Dokumentation des Stadtelternrates Hannover
Zehn
Thesen zur Orientierungsstufe in Niedersachsen (Anna Maier-Pfeiffer
/ Christian Pfeiffer)
Historischer Abriss und Quellen:
Weitere Informationen zur OS Nikolaus Kopernikus
- von Wolfgang
Siebert -
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Platz fand die neue Schule im umgebauten Gebäude der ehemaligen
Volksschule Planetenring, in dem sie bis heute untergebracht ist. Wegen
der hohen Schülerzahlen (im 2. Jahr bereits 1066 Kinder in 35 Klassen)
waren erlassgemäß 2 Schulen, die stets wie eine Schule zusammenarbeiteten,
beantragt und genehmigt worden.
Familienfoto 1990: Helmut Rathmann (Mitte), Hans Behm und ganz rechts Karin Werner |
Die
Schulleiter der ersten Stunde waren für die OS-1 von 1974 bis 1990
Helmut Rathmann (Bild oben), der zuvor die Planetenringschule geleitet
hatte und von 1974 bis 1993 Gerd Pehl (OS-2, Bild links), zuvor
Konrektor der Realschule.
Konrektoren der OS waren Karin Werner (1974 – 2002) und Hans Behm von 1974 bis 1989. Erst 1991 wurden die beiden zuerst frei gewordenen Stellen wieder besetzt: |
| Doris Günther leitete die OS-1 von 1991 bis 2003 und Frank Schmelz,
der ebenso wie Martin Weisser die Schulleitung zwischenzeitlich unterstützt
hatte, wurde 1991 Konrektor der OS-2. Mit der Unterstützung des Kollegen
Steffen Walther leitet Frank Schmelz mittlerweile beide Orientierungsstufen.
Bereits 1994 war er ein Jahr lang Schulleiter der OS-2,...
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| ... bis dort die Schulleiterinnen Liesel Heinrich (1995 - 1998) und
Rita Noga (2001 - Januar 2004) folgten.
Wer sich nun ein Bild über das eigentliche – sehr muntere – Schulleben an der Orientierungsstufe Nikolaus Kopernikus verschaffen möchte, dem seien die nachfolgenden Quellen genannt, die allerdings teilweise vergriffen sind:
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Erster Internetauftritt einer Orientierungsstufe:
AG ohne eignen PC - Bereits 1997 steht die 'Ori Garbsen'
im Internet
- von Wolfgang
Siebert -
Die OS Nikolaus Kopernikus im Internet (Auszüge)
- von Wolfgang
Siebert -
| Diese Zusammenstellung ist noch in Arbeit. |
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Herrn Martin Weisser für inhaltliche Unterstützung und besonders seiner Tochter ConstanzeWeisser für Schreibarbeiten, Frau Karin Leinweber für die Erlaubnis 'Die Stunde Null' hier nochmals zu veröffentlichen, Frau Karin Werner für das Überlassen der beiden Personenbilder im Kapitel. "Weitere Informationen..." Frau Rose Scholl vom Stadtarchiv Garbsen für die Hilfe beim Auffinden alter Bilder vom Bau der ehemaligen "Volksschule Süd", in der später die OS unterkam. Herrn Gerd Pehl für das Bändchen Nr. 9 der Schriftenreihe zur Stadtgeschichte „Viel Schüler gab es und wenig Raum“, das einen wertvollen Überblick über die Garbsener Schullandschaft der letzten 5 Jahrzehnte gibt. Alle Texte und Bilder sind Eigentum der/s jeweiligen Autorin/Autors. |
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