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Dem Sein ganz nah:
Schülerinnen und Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums präsentieren eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte III
-  von Wolfgang Siebert  -

(Nachdem nun auch Sarah mit den anderen gegangen ist.): Sie sind gegangen, Herr ,  du und ich, wir sind allein.  Ich habe viele Leiden kennen gelernt....  Aber, Gott der Juden, du wirst nicht eine Klage aus meinem Mund hören. Ich will lange leben, verlassen auf diesem unfruchtbaren Fels, ich, der ich nie verlangt habe, geboren zu werden,  ...

... und ich will dein Gewissensbiss sein..
... Ein Gott soll sich in einen Menschen verwandeln?...
Wisst Ihr, wir haben in Rom einen Altar für die unbekannten Götter.  Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, die ich immer gutgeheißen habe...
 Wenn ein Gott sich zum Menschen gemacht hätte, mir zuliebe,  würde ich ihn allein lieben,  unter Ausschluss aller anderen...  Aber welcher Gott wäre so verrückt?
Der Zauberer (Kai Hoheisel) prophezeit den Lebensweg Jesu:
...
Er wird gefangen genommen, vor ein Tribunal gestellt,  nackt ausgezogen, gegeißelt,  von allen verhöhnt  und schließlich gekreuzigt...
 Und er rettet sich nicht, er schreit mit lauter Stimme: "Mein Vater, mein Vater, warum hast die mich verlassen?"

Wir erwarten (mit dem Messias) einen Soldaten und man schickt uns ein mystisches Lamm...
Wenn ich das verhindern könnte...
 

Ich werde vor ihnen da sein. Und man braucht nicht lange, stelle ich mir vor, einem Kind den schwachen Hals umzudrehen, und sei es der König der Juden!

Am Stall von Bethlehem

Markus (Christoffer Horlitz), als Bariona bemerkt, dass er selbst keinen Sohn habe:  Ihr werdet nie den Blick haben, den Blick eines Mannes, der sich im Hintergrund hält,  gehemmt durch seinen großen Körper, und bedauert,  nicht die Geburtswehen für seinen Sohn erlitten zu haben.
Bariona: Wer bist du? 
Markus: Ich bin dein Engel, Bariona. - Töte dieses Kind nicht.
Bariona: Geh weg!
Markus: Ja, ich gehe. Denn wir Engel vermögen  nichts gegen die Freiheit der Menschen. Aber denke an Josephs Blick.

Bariona öffnet die Tür des Stalls einen Spalt:

Ich sehe das Kind nicht..., aber im sehe den Mann. Es ist wahr, wie er sie ansieht!  Mit was für Augen! Was kann da alles sein, hinter diesen beiden hellen Augen?  Welche Hoffnung?  Nein, das ist keine Hoffnung. Und  auch keine Ergebenheit.  Und welche Schreckenswolken würden aus  ihm aufsteigen und  diese beiden Himmelsflecke  verdunkeln,  wenn er sähe, dass ich sein Kind erwürge. ... So bin ich denn besiegt.

(Bariona verbirgt sich vor der heran nahenden Menge)

Dort ist das Kind, in diesem Stall.

... ich habe ein Lied komponiert....

Sie werden ihn verraten... Du bist Christus näher als sie alle...

Christus hat auch eine Botschaft für dich:
Lass dein Kind geboren werden. ... Hab kein Erbarmen mit seinem Leiden, du hast nicht das Recht dazu ... es wird damit genau das machen, was es will, denn  es wird frei sein.

Selbst wenn es von der, die es liebt,  sieben mal verraten wird, ist es frei, frei, sich seines Lebens ewig zu erfreuen.
Du sagtest mir vorhin, dass Gott nichts vermag gegen die Freiheit des Menschen, und das ist wahr.
 

Bariona: Lass mich. Sag nichts mehr. Geh.

Bariona allein: Frei... Ach!  in deine Weigerung, verkrampftes Herz, ich sollte dich lockern und öffnen, ich sollte hinnehmen.... Ich  sollte in den Stall gehen und niederknien... 
Ich wäre frei, frei.  Frei gegen Gott und für Gott, gegen mich selbst und für mich selbst.... Ach! Wie schwer es ist...


Für Sartre ist es die Bejahung eines freien und stets verantwortlichen Willens, der nicht aufgibt,  sondern  (auch wenn er sich selbst ausbleiben und als ‚geschenkt‘ erfahren kann) stets  das Positive wählt. Denn: was bleibt ihm anderes übrig, als nicht zu verzweifeln und durch die eigene Wahl das ‚Gute‘ zu setzen? 
- Auf diese Weise die Geburt Jesu zu verstehen, ist der Versuch, den Sartre mit seinem Theaterstück, „Bariona, ein Weihnachtsspiel“ unternimmt.  Er schrieb es auf Anregung zweier Mithäftlinge als Kriegsgefangener 1940 bei Trier  für die Lagerweihnachtsfeier und wollte mit diesem Stoff auch unter den Gefangenen „die breiteste Gemeinschaft  zwischen Christen und Nichtchristen herstellen.“

 - Fortsetzung hier -

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