Der Ur-Käfer rollt zurück auf die Straße

Kaefer CMYK - Der älteste Käfer der Welt besteht TÜV (Quelle: TNM / Björn Kruse)

Hessisch Oldendorf, – Er war verschollen, zerlegt und fast vergessen:

Das originale Fahrgestell mit der Nummer 26 – Bild: Sammlung Grundmann

Nur sein Zentralrohrrahmen hat die Zeit überlebt und bildet heute die Basis für das einzigartige Fahrzeug: einen Prototyp der legendären W30-Serie von 1937 – den ältesten Käfer der Welt. Nach der abschließenden Vollabnahme durch einen Sachverständigen des TÜV NORD darf das historische Einzelstück mit der Fahrgestellnummer 26 nun bald wieder auf öffentlichen Straßen fahren.

NORD-Oldtimerexperte Thomas Rusch kontrolliert den Ur-Käfer bei der technischen Abnahme – Bild: TNM / Björn Kruse

Den Wiederaufbau übernahm die Familie Grundmann aus Hessisch Oldendorf. Bekannt für ihre international renommierte VW-Sammlung, verwandelte sie das
historische Fahrgestell wieder in ein vollständiges Automobil – mit technischem
Fingerspitzengefühl, Sachverstand und viel Idealismus.

Vom nackten Chassis zum fahrbereiten Wagen
Nachdem die Bodengruppe des Fahrzeuges aufwändig restauriert wurde, galt es, den Aufbau des Fahrzeugs nach alten Bauplänen, Werksfotografien und Zeichnungen millimetergenau  nachzuempfinden. Parallel dazu wurden in jahrelanger Suche die
damals verwendeten Technikkomponenten in aller Welt zusammengetragen und aufbereitet. „Wenn wir gewusst hätten, wie groß das Projekt wirklich wird, hätten wir wahrscheinlich gezögert“, sagt Traugott Grundmann. „Am Anfang dachten wir, das kriegen wir mit überschaubarem Aufwand hin – aber je tiefer wir einstiegen, desto komplexer wurde es.“ Aufgeben kam dennoch nie in Frage. „Geht nicht, gibt’s nicht. Besonders wenn jemand sagt, das klappt nicht – dann will ich es erst recht beweisen“, so Grundmann Senior.

Ein rollendes Stück Zeitgeschichte 
Die technische Abnahme war ein Sonderfall – in mehrfacher Hinsicht. Das Fahrzeug stammt aus dem Jahr 1937, also aus einer Zeit vor der Einführung der heutigen Straßenverkehrs-Zulassungsordnung. Zudem handelt es sich um einen Prototyp, der
weit vor Beginn der Serienfertigung des Käfers nur 30-mal zu Erprobungszwecken gebaut wurde. „Ein Mustergutachten dafür habe ich nicht“, sagt TÜV-NORD-Oldtimerexperte Thomas Rusch. „Meine Abnahme ist ähnlich wie der Neuaufbau dieses Fahrzeugs reine Handarbeit, ich beginne mit einem weißen Blatt. Meine Aufgabe ist es, das Fahrzeug auf Verkehrssicherheit und Vorschriftsmäßigkeit zu prüfen und korrekt zu beschreiben. Glücklicherweise muss es dabei nicht den Maßstäben heutiger Neuwagen entsprechen. Die frühe Erstzulassung findet bei der
Beurteilung der Zulassungsfähigkeit an vielen Stellen Berücksichtigung. Daher ist auch hier viel Recherche und Detailarbeit gefragt.“
Mit der finalen Vollabnahme durch den Sachverständigen des TÜV NORD ist der Weg zur Zulassung nun frei. Für die Familie Grundmann ein Meilenstein. Grundmann: „Das ist der Moment, in dem man weiß: Wir haben’s richtig gemacht. Der krönende Abschluss nach sieben Jahren voller Suche, Schrauberei und harter Arbeit. Eine echte Belohnung – wir können es kaum erwarten, endlich die offiziellen Dokumente für dieses Fahrzeug in unseren Händen zu halten.“

 

 

 

 

Rekonstruktion der Bodenplatte — Bild: TNM / Björn Kruse
Karosserieaufbau in Handarbeit — Bild: TNM / Björn Kruse
Initiator Traugott Grundmann und Prüfer Thomas Rusch vor dem Unikat — Bild: TNM / Björn Kruse

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