Geburtsstunde des deutschen Rettungswesens vor 50 Jahren

Am Gedenkstein für Björn Steiger (v.l.): Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung, Initiator und Sponsor Klaus-Martin Pfleiderer, Künstler und Architekt Jürgen Mayer H., Winnendens Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth

Dort, wo vor 50 Jahren der achtjährige Björn Steiger in Winnenden die Straße überquerte und später von einem Auto erfasst wurde, erinnert jetzt ein Gedenkstein an ihn. Vergangene Woche (Freitag, 3.5.) wurde der Stein auf städtischer Fläche beim Kinderhaus Seewasen offiziell enthüllt. Neben der Abbildung des Jungen ist auf dem über fünf Meter langen und rund 7,5 Tonnen schweren, künstlerisch gestalteten Stein auch ein Text angebracht. Er erinnert an Björns tragischen Tod, aber auch an die Gründung der Björn Steiger Stiftung durch seine Eltern Ute und Siegfried Steiger. „Der Tod meines Bruders war ein tiefer Einschnitt im Leben unserer Familie“, sagte Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. „Er war aber auch die Geburtsstunde des modernen Rettungsdienstes in Deutschland.“ Zweck des Gedenksteins sei es, an beide Aspekte zu erinnern – „an die furchtbare Tragik und an das Gute, das daraus erwachsen konnte“, so Steiger.

Björn Steiger wurde am 3. Mai 1969 in Winnenden auf dem Heimweg vom Schwimmbad von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde, bis der Krankenwagen eintraf – einen funktionierenden Rettungsdienst gab es noch nicht. Björn starb später, beim Transport ins Krankenhaus, an einem Schock. Seine Eltern gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung, um die Notfallhilfe zu verbessern. Bundesweite und kostenlose Notrufnummern 110/112, Notruftelefone am Straßenrand, 24-Stunden-Notarztsystem, BOS-Sprechfunkstandard, Luftrettung – dies und Vieles mehr brachten Ute und Siegfried Steiger durch ihr Engagement mit auf den Weg. Die Björn Steiger Stiftung wurde mit der Zeit zum Motor und Schrittmacher des modernen Rettungswesens in Deutschland. Sie ist bis heute mit vielen Projekten aktiv, um die Notfallhilfe weiter zu verbessern.

Hartmut Holzwarth, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Winnenden (bei Stuttgart) sagte: „Als die Anfrage der Stiftung für einen Ort der Erinnerung an uns ging, war es uns wichtig, gemeinsam den genauen Standort zu ermitteln: Damit er gut sichtbar und zugänglich an der historischen Stelle des tragischen Unglück liegt, aber selbst natürlich keinerlei Gefahr für heutige Verkehrsteilnehmer darstellt. Das Gedenken an Björn Steiger, das schon mit dem nach ihm benannten Kreisverkehr und jetzt mit dieser Erinnerungsstätte erhalten wird, ist für die Stadt Winnenden von großer Bedeutung, weist es doch weit über das eigentliche Unglück hinaus auf das große Segenswerk hin, dass die Björn Steiger Stiftung seit fünf Jahrzehnten im Rettungswesen für unser Land geworden ist.“

Entworfen hat den Gedenkstein der international renommierte Architekt und Künstler Jürgen Mayer H. Als „Winnender Kind“ ist ihm die Geschichte der Familie Steiger bekannt. Die erste Idee, das Leben von Björn Steiger und das Wirken der Stiftung mit einem Gedenkstein zu ehren, hatte Klaus-Martin Pfleiderer, Geschäftsführer der Projektbau Pfleiderer GmbH & Co. KG. Er hat als Sponsor auch sämtliche Kosten übernommen. Das Engagement der Familie Pfleiderer für die Björn Steiger Stiftung reicht Jahrzehnte zurück. So unterstützte sie finanziell eines der ersten Notruftelefone, die die Stiftung Anfang der 70-er Jahre am Straßenrand aufstellte. „Es war uns zum 50. Todestag von Björn Steiger ein großes Bedürfnis, Solidarität mit dem Engagement der Stiftung zu zeigen“, sagte Pfleiderer. „Der Gedenkstein gab uns die Möglichkeit, genau dies zu tun.“ Die Familie werde der Björn Steiger Stiftung auch weiterhin von Herzen unterstützend verbunden bleiben, betonte Pfleiderer.

Stiftungspräsident Pierre Steiger bedankte sich bei der Einweihung bei allen Projektbeteiligten. Künstler, Sponsor und Stadt hätten durch ihren Einsatz einen Ort der würdevollen und nachhaltigen Erinnerung geschaffen, so Steiger. „Dafür sind wir Ihnen allen sehr dankbar.“

Im 50. Bestehensjahr der Stiftung sind weitere Aktivitäten geplant: So wird sich ein von der Stiftung organisierter Fachkongress am 2. und 3. Juli in Berlin damit befassen, wie effizienter Rettungsdienst in Zukunft aussehen kann – und muss. Am 7. Juli findet ein Festakt zum 50. Gründungstag in Winnenden statt. Festredner ist der Präsident des Deutschen Bundestags, Dr. Wolfgang Schäuble.

Björn Steiger Stiftung

Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde bis der Krankenwagen eintraf. Björn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gründeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einführung des bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Notfall, dem Frühgeborenentransport und der Alarmierung von Ersthelfern per App.

mehr unter: www.steiger-stiftung.de